Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 3-4 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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62 den Raub genommen hat. Der Missionar sammelt sich in der Stille, um zum Herrn zu seufzen, springt dann auf den Gaukler zu und greift ihn im Namen Jesu bei der Hand. Dieser glaubt in dem plötzlich hervorbrechcnden Muthe des Christen eine höhere böse Macht zu sehn. Voll Entsetzen schreit er laut: »Scheimes Tümme! Au wai, Scheimes Tümme!« (Böse Geister!) Mit diesem Schrei stürzt er zur Thür hinaus, und der geisteskranke Begleiter nach. — Unter den Juden dieses Ortes verbreitete sich das Gerücht, der Missionar werde von bösen Geistern besessen. Händes kam nach N. an dem großen jüdischen Fasttage der Versöhnung. Er begab sich in ein Seitenzimmer der großen Synagoge, wohin die Juden sich zurückzuziehen Pflegen, die vom Beten sich ausruhen wollen, oder allein zu sein wünschen. Er hatte hier bald Gelegenheit ein Gespräch anzuknüpfen, und begann kurz daraus von der Versöhnung zu reden, die in Christo gestiftet worden sei. Es versammelten sich immer mehr aufmerksame Juden um ihn, bis das Zimmer gedrängt voll wurde, so daß man, um nicht zu Störungen Anlaß zu geben, die Thür schloß. Selbst an die Thür klammerten sich von außen Juden, um dem Vortrage zuzuhören. Gegen drei Stunden dauerte die Predigt. Während derselben kam ein Jude heran, der mit Antheil fragte, ob denn dieses ein Missionar sei? Als er die Frage bejaht erhielt, äußerte er lebhaft seine Freude; er habe schon immer von ganzem Herzen Verlangen getragen, einen Missionar zu sehen, er habe in Warschau die Missionare ausgesucht, aber leider nicht gefunden. Es sei eine göttliche Führung, daß er nun hier mit dem Missionar zusammentreffe, denn er habe schon beschlossen, durch diese Stadt blos durchzureisen und zu Hause das Versöhnungssest zu feiern, nachher aber habe er sich besonnen und habe es vorgezogen, an dem Orte, zu bleiben. Er sei aber zuerst in eine andere Synagoge gegangen, bis es Gott so gefügt habe, daß er, weil es in jener zu voll gewesen, in diese gekommen sei. Dieser Mann hörte mit großer Gelehrigkeit zu und besuchte noch nach der Andacht in der Synagoge den Missionar in seinem Hause. Erfreulich sind folgende zwei Zeugnisse der Unmündigen: Händes hatte in N. in der Synagoge an einigen polnischen Juden sehr aufmerksame Zuhörer gefunden, war aber von andern Juden unfreundlich behandelt worden. Unter allgemeinem Murren und Unwillen, der thätlich auszubrechen drohte, hatte ein junger Mann den Glaubensboten auf einem einsamen Wege aus dem Gedränge gerettet, während ihm derselbe zur Dankbarkeit noch aus diesem beschleunigten Gange den Heiland an's Herz legte. Gleich nachdem Händes das Haus erreicht hatte, tritt ein Knäblein zu ihm und bittet sich Traktate aus, wo sich dann folgendes Gespräch entspinnt.