Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 3-4 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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57 seines große» Namens sei. Die Versammlung war zahlreich. Ich hatte gehört, daß sämmtliche Juden des Ortes mit gegenwärtig seien. Daher redete ich auch in Bezug auf sie von dem nnerforschlichen Reichthum der Gnade Gottes in Jesu Christo. An zwei Stunden dauerte mein Vortrag, den ich mit einem Gebet um die Bekehrung aller Menschen schloß, und namentlich der Juden. Die Zuhörer waren fast alle zu Thränen gerührt. Nach Beendigung der Rede kam der liebe alte Israelit N. an mich heran, fiel mir mit einer Thräne im Auge um den Hals, küßte mich und sagte: »Ja, lieben sollen wir einander wie Brüder und beten einer für den andern. Gott segne Sie und Ihr Wort an uns allen!«" In N. wurde Händes beim Abschied von einer Jüdin von Herzen gewünscht, daß alle seine Wünsche von Gott erfüllt werden möchten. Händes erwiderte: »Nun, so möge denn der Herr auch Sie recht bald zur Erkenntniß seiner selbst führen, denn dies ist einer meiner herzlichsten Wünsche.« Ein auswärtiger Jude aber tadelte den Glaubensboten als Verführer des Volks. Da er jedoch auf sehr unpassende Weise diesen seinen Tadel anbrachte, so sagte der alte, von der Wahrheit des Christenthums überzeugte Israelit N.: »Seid still, seid still! Christus ist ja doch einmal für uns gestorben und hat uns mit seinem Blute besprengt.« Bon diesem Nathanael nahm Händes in brüderlicher Liebe mit herzlicher Umarmung Abschied. Der Alte hatte, um doch irgendwie seine Dankbarkeit für das geistig Genossene zu bezeugen, ihm noch im Verborgenen einige Erquickungen in den Wagen gesteckt. Rührend ist die Erzählung der Abreise des lieben Glaubensboten von N. Schon mehrere Tage vorher war er umhergegangen, von Christen und Juden Abschied zu nehmen. Viele wünschten von Herzen sein längeres Dableiben. So manche hatten ja durch ihn zuerst eine Einsicht in das Heil ihrer Seelen gewonnen. Als er nun am letzten Tage der Anwesenheit gegen Abend zu Hause ankam, fand er noch eine große Versammlung, die seiner harrte. Er erzählt nun weiter: „Man verlangte einstimmig, noch eine Abschiedsrede von mir zu hören. Ich bat, daß man mir Text und, Lieder bestimmen möchte. Während dessen flehte ich auf den Knieen den Herrn um Weisheit an. Es ward mir der Text gereicht Hebr. 12, 1—4, und unter dem reichsten Beistände des