Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 3-4 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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46 und dieselbe hat sich durch Geschlechter und Jahrhunderte vererbt und befestigt; aus der Judenscheu ist aber gegenwärtig eine Judenfurcht geworden. Das ganze Menschengeschlecht und nicht blos einzelne Völkerschaften fürchten sich thatsächlich vor diesem Judengespenst. Man müßte mit Blindheit geschlagen sein, um zu behaupten, daß die Inden nicht das auserwählte Volk des allgemeinen Hasses sind. Der Verfasser kommt durch diese allgemeine Stellung des ganzen Menschengeschlechts aller Zeiten zu den Juden aber durchaus nicht etwa zu der Frage, ob die Schuld für diese Erscheinung etwa an den Juden liege, sondern es ist ihin von vornherein selbstverständlich, daß immer die Anderen der schuldige Theil seien. Er erklärt also, daß der Judenhaß auf einer vererbten Verirrung des menschlichen Geschlechtes beruhe, und daß man auf seine Bekämpfung ebenso verzichten müsse wie ans die Bekämpfung jeder anderen erblichen Anlage. Also ein unheilbarer Wahnsinn des ganzen Menschengeschlechts aller Zeiten tritt in seinem Verhältnisse zu den Inden zu Tage! Man habe jüdischerseits diese Thatsachc vergessen wollen, als die gesetzliche Emancipation der Juden eingeführt wurde. Aber die gesetzliche Befreiung der Juden ist noch nicht ihre gesellschaftliche, und selbst die gesetzliche Emancipation der Juden hat noch nirgends in dem Gefühle der Völker feste Wurzel gefaßt. Dazu kommt noch ein Umstand, der die Verschmelzung der Juden mit den Ureinwohnern völlig unmöglich macht. Im Kampf um das Dasein unterwerfen sich die Kulturvölker gern den Gesetzen, welche diesen Kampf in eine friedliche Konkurrenz und edlen Wetteifer verwandeln helfen. Aber sie erlauben es dem Ausländer nicht, in ihrem Lande ihr Konkurrent zu werden. In dem Verhältniß eines Ausländers, der dem Eingeborenen Konkurrenz macht, befindet sich aber der Jude überall, und daher der Unwille gegen ihn als einen Konkurrenten oder Ausbeuter des Volks. So leben wir Juden unter den Nationen. Das Verhängnißvolle in unserer Geschichte liegt darin, daß wir weder sterben noch leben können. Das hätte es uns zum Bewußtsein bringen sollen, wir bedürfen eines Vaterlandes; aber die Vaterlandslosen wurden vaterlandsvergcssend. Nur gründliche Erkenntniß unseres Zustandes kann uns helfen. Besonders müssen wir auch von der Wahnvor-