Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 3-4 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Dies waren noch Lichtpunkte im Leben der Königin; denn bald nachher sandte sie der König auch nach Magdala. Sie hatte ihm unverhohlen ihren Abscheu darüber kundgethan, daß er jetzt noch drei andere Frauen genommen hatte. Das einzige Band, was sie mit dem Könige noch zusammenhielt, war ihr Kind. Auf Magdala hat der König sie schließlich so sehr vernachlässigt, daß sie Unterstützung von den Herren der englischen Gesandtschaft anzunehmen genöthigt war. Einmal versuchte ^>er König, sich mit ihr anszusöhncn — er ließ sie bitten, zu ihm zu kommen. Aber sie sandte die kurze und stolze Antwort zurück: Der König solle ihrem Vater und Brüdern die Freiheit geben und seine Weiber fortschicken — mit keiner einzigen theile sie ihren Platz. Im andern Fall bleibe sie lieber auf Magdala, da könne sie doch ruhig ihr Gebet verrichten. So führte sie auf der Festung ein freudloses Dasein; doch war ihr kleiner Sohn bei ihr. Nach dieser Zeit sind wir noch einmal dem Spiegel begegnet, und das war bei einer traurigen Veranlassung. Wir waren zwar kurz vorher durch die englische Armee aus Theodorus Hand befreit worden. Auch die abessinischen Gefangenen, die dem grausamen Schicksal vieler ihrer Leidensgefährten entgangen waren, wurden ihrer Ketten entledigt. Dabei waren auch Raas Ubie und seine Söhne, Vater und Brüder der Königin. Sie selbst ist hingewelkt — sie war schon lange brustleidend; und als sie nach langem Zureden endlich einen englischen Arzt kommen ließ, fand er ihren Zustand hoffnungslos. Dennoch wollte sie ihren Sohn nach England begleiten. Sie starb aber noch in Abessinien und wurde in Haik-hallet nahe bei Tscheleknt beerdigt. Die Dienerschaft der Königin hatte wieder die Kleider ihrer Herrin zum Vorschein genommen, aber nicht, um sich damit zum stolzen, fröhlichen Ausritt zu schmücken. Sie wollten ihr die letzte Ehre erweisen und trugen hinter der Leiche her all ihre Kleider, Schmuck und Hausgeräthe. Das war ein Klagen und Weinen und dazwischen die Ceremonien und Gesänge der Priester. Eine Kompagnie englischer Soldaten gab ihr das Ehrengeleit zum Grabe, und die feierlichen Töne des Trauermarsches von Beethoven lockten viele Abessinier herbei. Der acht Jahre alte Prinz konnte noch nicht ganz seinen Verlust verstehn — er wurde aber mit vieler Liebe und Rücksicht von dem englische» Oberbefehlshaber behandelt und seiner eigenen Sicherheit