Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 3-4 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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41 vom Papa unsere Pilgerfahrt; und war es auch einerseits eine große Plage, wie die Zigeuner umherziehen zu müssen, so hatte es doch den großen Vortheil, daß wir gesund blieben. So ein Lager ist gar bald verpestet und wird der Heerd für Seuchen, weil keinerlei Reinlichkeitsrücksichten beobachtet werden. Auf diesen Wanderzügen geschah es zuweilen, daß wir an unfern Spiegel erinnert wurden. Eines Morgens riefen mir unsere Leute zu: »Kommen Sie schnell, die Königin reitet vorbei!« Das war ein Aufzug, so fremdartig und altertümlich! Ist wohl die Königin von Saba so ausgezogen, als sie ging, um Salomos Weisheit zu hören? Ein vorzüglich schlankes, wohl dressirtes Maulthier mit werthvollem Sattel und Zaum trägt die Königin. Sie ist in einen dunkelblauseidenen Radmantel gehüllt, der reich mit Gold- und Silberzierrath bedeckt ist; von ihrem Gesicht sieht man nur die Nase und das Leuchten ihrer Augen; ihre nackten Füße sind mit Spangen umgeben; mit der großen Zehe hält sie den Steigbügel, und die vielen Glöcklein an den Fußspangen verursachen ein ununterbrochenes Geklingel. Und wie stattlich und schmuck nimmt sich ihr Gefolge aus! Wie stolz und fröhlich umgeben sie ihre Herrin, sie glänzen ja in ihrem Licht; denn heute hat die Königin ihren Leuten ihre eigenen Kleider und all ihren Schmuck zu tragen erlaubt. So ist's Sitte in Habesch. Die weißen Gewänder mit hochrothen Streifen heben sich vortheilhaft ab von den braunen Gesichtern, und erst die Haarspangen, der Ohrcnschmuck und die riesigen Armspangen zeugten von dem Reichthum der Woisero T'erreiwork (Lauteres Gold, der Königin Name). Zwei niedliche Schangallamädchen liefen rechts und links neben dem Maulthier ihrer Herrin; ihre kohlschwarzen Gesichter würden bei dieser Gelegenheit auch ohne Butter geglänzt haben. Die eine hielt mit großer Amtswürde auf ihren beiden Händen die mit Goldschmuck bedeckten Schnabelschuhe der Königin in die Höhe, die andere trug ein schönes Glas und ein Trinkhorn. So hatten alle irgend ein Geräth zu tragen bis zu dem Backofen und dem Kochtopf. Welche Sorgfalt dem Spiegel zu Theil wurde, das sahen wir sogleich. Dicht hinter dem Maulthier lief die, der er anvertraut war. Zur Vorsorge war er in ein Lederfutteral gehüllt, das die Trägerin um den Hals geschlungen und so den Spiegel auf ihrer Brust trug. Auch der Psalter wurde so getragen.