Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 3-4 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 seinen Grausamkeiten umgab uns stets. Es war darum eine Wohlthat für uns Deutsche, als er uns für einige Zeit nach Gafsat sandte; denn je weiter von ihm weg, desto besser. Leider behielt er alle englischen Unterthanen in seiner Nähe, was für sie ein stetiger Schrecken war und auch unsere Herzen mit Sorge erfüllte. Später mußten wir die Rollen vertauschen. Die Engländer wurden auf die Feste Magdala gesandt und befanden sich dort mit einigen Unterbrechungen viel besser. Wenn nämlich der König auf seinen Plünderungszügen einmal die Feste besuchte, machte er stets seine Anwesenheit durch erneute Grausamkeit geltend. Am Anfang April 1866 wurde mein Mann mit Briefen vom Könige und den gefangenen Engländern nach London geschickt, Mitte Mai 1867 kehrte er zurück. Es war ein gefahrvoller Gang, und wie auf Nimmerwiedersehn nahmen wir Abschied auf der Insel Sägie. Argawy durfte mit meinem Mann reisen und begleitete ihn gern, weil er schon lange den Wunsch hegte, etwas Tüchtiges zu lernen. Mein Leben war von da an mit kurzen Ruhepausen eine stetige Wanderfahrt hinter dem Könige her. Wir hatten fast nichts mehr von europäischem Hausrath, doch blieben wir durch Gottes Güte gesund. Viele bange Stunden und Tage gab es aber. Während jener Zeit brach die Cholera im königlichen Lager aus und raffte auch drei von unfern Leuten (Dienstboten) hinweg. Es waren sehr betrübte einsame Weihnachten jenes Jahr. Aber als ich den Kindern, den drei eigenen und zwei kleinen abessinischen (Kinder unserer Dienstboten), die Weihnachtsgeschichte erzählte, kam doch eine merkwürdige Freude und Trost in unser aller Herz. Einige kleine Holzschnitte halfen zur Erklärung. Am aufmerksamsten wurden sie bei der Flucht nach Aegypten. A. meinte: »Jetzt, so wollen wir's auch machen wie Joseph. Heute Nacht, wenn Alles schläft, setzen wir uns auf's Maulthier und fliehen nach Aegypten zum Papa!« Ich machte sie darauf aufmerksam, daß der Joseph durch einen Engel Befehl erhielt zur Flucht, und daß wir auch lieber warten wollten, bis der liebe Gott es uns heiße. — Es war jetzt unsere Aufgabe, täglich um Geduld im Leiden zu bitten. Daß wir uns nicht selber helfen sollten, zeigte der vergebliche Fluchtversuch von fünf unserer Mitgefangenen, den sie schwer büßen mußten. Hier und da erhellte ein vorsichtig abgefaßtes Brieflein