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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 3-4 (1883) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
3-4 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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39 dem holprigen Wege. Doch der Herr bewahrte uns und hielt auch in der bitterkalten Nacht, die wir ohne Bett unter freiem Himmel in der Nähe des Flusses zubringen mußten, seine schützende Hand über uns. Ja, »er decket mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er verbirgt mich heimlich in seinem Gezelt.« Wir froren sehr in unfern dünnen Kleidern und hatten Mangel an Nahrung. Als es eben tagte, kam die alte Sellass und der treue Argawy mit etwas Reisig und zündeten ein Feuer an, daß wir die erstarrten Glieder wärmen konnten. Es war im Januar, der mit dem Dezember zur kältesten Zeit gehört. Am Tage ist es warm, aber man fühlt darum den Tempcraturwechsel desto mehr. Am Montag Abend kanien wir in Gondar an. O in welchem Zustande! Wir hatten acht Tage lang keinen Kamm und Seife gehabt; aber welche Freude, daß wir nun wieder beisammen waren, wenn auch nur für kurze Zeit. Wir erhielten auch nach einigen Tagen etliche von unfern Sachen zurück und konnten uns rein kleiden. Wie unersättlich kann der Mensch sein,.und schließlich kann uns Alles entzogen werden. So heißt cs darum: Jeder Tropfen, jeder Bissen, Den uns deine Huld bescheert, Rufet uns in das Gewissen: Bin ich deren einen werth? Wir lebten wieder lange in dem kleinen Zelt. Der Soldat, dem Argawy für seine Milch einen Thaler versprochen, wurde reichlich belohnt. Argawy hat uns noch viele treue Dienste erwiesen; ich habe die Zuversicht, der Heiland werde auch einmal zu ihm sagen: »Ich bin gefangen gewesen, und du bist zu mir gekommen!« Noch von manchem Lieblichen könnte ich erzählen, was wir in jener Zeit erlebten. Besonders aber muß ich es erwähnen, daß unsere Neugetauften uns mit dem Wenigen beizustehn versuchten, was ihnen bei der stetigen Einquartierung von Soldaten noch blieb. Der König hatte damals vor, eine Bekehrung nach seinem Sinn zu veranstalten. Er wollte nämlich alle Muhammedaner und Falaschas mit Gewalt taufen lassen. Zum Glück gelang es dem Abnna Salama (dem obersten Geistlichen Abessiniens), ihn davon abzubringen. Die Zeit verging unter täglicher Angst für uns. Wir waren ja stets in der Nähe des Königs — die Kunde von

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