Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 3-4 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Als sie dem Honigwein tüchtig zngesprochen,-stellte sich Argawy zu ihnen und erzählte ihnen allerlei von Europa; dazwischen gab er mir einen Wink, und ich holte das Tagebuch unter meinem Schamma (so heißt ein großer weißer Ueberwurf in Abessinien) und begann meine Zerstörungsarbeit. Argawy kam dann und verbarg die Schnitzel in einer kleinen Grube. Die Nächte brachte ich auf der leeren Bettstelle zu — am meisten vermißte ich das Kopfkissen. Ach, wie trostlos sah es doch in nnserm Häuschen ans! Eine Soldatenfrau hatte vollends Alles, was noch an abessinischcm Geräth dahing, sortgenommen. Einen kleinen Spiegel, der jetzt die Stelle des großen einnahm, hätte sie gar zu gerne auch mitlaufen lassen, aber das verwehrten die Hüter. Doch stattete sie dem Spiegel oft einen Besuch ab und erlaubte sich dabei allerlei ungeziemende Reden gegen mich. Sie war um Hals und Nacken, Stirne und Wangen tättowirt und zeigte durch ihr Wesen, daß sie nicht zu den Anständigen gehörte; weshalb ich cs auch für das Beste hielt, ihren Bemerkungen Stillschweigen entgegenzusetzen. Ans den Aeußerungen der Soldaten über sie lernte ich denn auch bald ihren wahren Charakter kennen. Als sie bald darauf wiederkam und auf ihre zudringliche Art die Kleinen plagte, sagte Argawy: »Laß die Armen in Ruhe, du siehst doch, wie sie weinen, indem sie nicht wissen, wie es um den Herrn steht!« Sie antwortete ihm mit schallendem Gelächter. Ich hatte mich bereits auf Kriegsfuß gestellt, diesmal sollte sie ein Wort in's Gewissen bekommen. »Du hast uns jetzt wiederholt gesagt, wem wir gleich seien. (Sic hatte nämlich herausgefunden, die Europäer sähen den Sinchero, den großen Affen, wegen ihres schlichten Haares sehr ähnlich.) Jetzt will ich dir auch sagen, wem du gleich bist. Ans deinem ganzen Wesen kann man sehen, daß du ein gottloses Menschenkind bist. Kehr' nur um, sonst gehst du mit Leib und Seele in die Hölle, denn die Hurer und Ehebrecher wird Gott richten.« — Sie war sichtlich betroffen, und da auch die Soldaten zu ihr sagten: »Hat die Frau vom andern Land Unrecht in dem, was sie dir sagt?« ging sie hinaus. Endlich am Sonntag Abend kam es zum Aufbruch. Wir ritten noch einige Stunden bis an den Gahha. Ich hatte den kleinen, sieben Monate alten Fr. vor mir, die drei Jahre alte A. hinter mir auf dem Maulthier; das war keine kleine Arbeit ans