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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 3-4 (1883) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
3-4 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 so viele Falaschas getauft wurden. Er hatte ja prophezeit, es werde nichts nützen, den hartnäckigen Falaschas zu predigen, man müsse sie mit Gewalt taufen. Jetzt war das Wunder geschehen: nicht nur Falaschas, sondern auch viele eingeborene Christen kamen täglich, den Versammlungen beizuwohnen. Da legte der König den englischen Konsul und die Missionare in Ketten — die Schulen, in denen eine hübsche Anzahl Knaben, Falaschas und amharische Christen Unterricht erhielten, wurden gesprengt und unsere Häuser ganz ausgeplündert. Ich war allein, da mein Mann einige Tage zuvor zum Könige sich begeben hatte, um Gnade für den schwer mißhandelten Missionar Stern zu erflehen. Das waren wohl die drei schwersten Tage meines Lebens, die ich mit meinen zwei Kleinen in den Händen dieser wilden Horden verbrachte. Sie fingen damit an, daß sie alle unsere Habe, Kleider, Bettzeug, Schuhe, Bücher, Geschirr re. re. in wüstem Durcheinander in die Kisten packten — sie ließen mir nichts, als was ich und die beiden Kleinen am Leibe hatten. Eine alte Magd, unsere Spinnerin, und Argawy, damals 16 Jahre alt, durften nach langer Ueberredung von seiten des Letzteren bei mir bleiben. Er war mir ein großer Trost und Hilfe und wußte mit seines Landes Kindern umzugehn. Auch verstand er bereits etwas Deutsch und konnte mir manchen Wink geben. Das Essen, das uns die Soldatenwache Abends mittheilen wollte, konnten wir, so hungrig wir waren, nicht herunterbringen. Die kleine A. weinte bitterlich darüber und sagte: »Mama, mein Mund und Hals ist verbrannt!« Es war eben so pfefferig. — Argawy bat nun inständig einen unserer Hüter, eine Kiste aufzumachen und ihm zu erlauben, eine »Arznei« für mich dort zu holen. Und was brachte er? Einige Brocken Chokolade, die uns während der drei Tage recht gut bekamen. Der Soldat, der nicht wußte, was es war, sagte geringschätzig: »Was will der König davon! nimm es nur!« — Am andern Tag kam Abends spät einer unserer Hüter und gab der kleinen A. ein wenig Milch aus einer Kalabasse zu trinken. Argawy hatte ihm einen Thaler versprochen, wenn wir wieder frei wären. Auch meines Mannes Tagebuch, in dem einiges Ungünstige, obwohl völlig Wahre, über den König stand, half er mir vernichten. Wir wählten dazu die Zeit, wo unsere Hüter beim Nachtessen saßen.

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