Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 1-2 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 dieser Sturm ging vorüber und derselbe hat schließlich die Stellung der Mission nur befestigt. Die Jerusalemer Rabbiner stehen nun voll Schrecken der Thatsache gegenüber, daß mit einem Male das Christenthum über viele Gemüther der Ihrigen eine Macht zu werden begonnen hat; scheint doch auch selbst das Eis bei den eigentlichen und alten Jerusalemer Juden ein wenig schmelzen zu wollen- Personen, die schon Jahre hindurch Fragen über die Religion in ihrem Herzen bewegt, aber es nicht gewagt hatten, mit den Missionaren auch nur ein Wort zu wechseln, suchen jetzt dieselben auf und lesen und besprechen mit ihnen das Neue Testament. Die Flüchtlinge haben begonnen das Band zu werden, welches die Mission auch mit den alteingesessenen Inden Jerusalems verbindet. Eins insbesondere aber ist großen Schaarcn von Inden des heiligen Landes offenbar geworden, daß, wie auch ihre Glaubens- Überzeugung sich gestalten möge, allein die jüdischen Christen daselbst ihnen zu einem besseren, menschenwürdigeren Dasein verhelfen und nur diese sie dahin bringen können, von ihrer Hände Arbeit zu leben. Das Judenthum, dafür gehen jenen Flüchtlingen und vielen andern Juden in Palästina die Augen auf, hat sie dort verkommen lassen. Die sogen. Liebesgabe der ällgcnleincn Judenschaft an die Gemeinden des heiligen Landes ist nur ein Mittel gewesen, die Rabbinen, welche sic verwalteten, allmächtig zu machen. Die Rabbinen haben aber so wenig dazu gethan, die Ihrigen zu heben, daß Letztere gerade unter solcher Leitung in ein bloßes Faullenzer¬ und Bettlerleben versunken sind. Alle Versuche, die von Juden ausgegangcn sind, jüdische Kolonieen in Palästina einzurichten, sind bisher mißlungen. Man nahm dort die Leute auf, wie sie kamen und ohne sie viel auf ihre sittlichen Eigenschaften oder auf den Ernst ihrer Absichten zu prüfen. Daher haben diese Kolonieen auch alle kläglich geendigt oder bleiben künstliche Treibhauspflanzen, die Niemandem etwas nutzen. Jetzt, wo die Jerusalemer Judenchristen die Sache in die Hand nehmen, wird sie eine andere. Ihnen trauen die Juden selbst, welche sich unter ihre Leitung begeben haben, genug wahren Ernst, genug Eifer, genug Geduld, genug Geschicklichkeit, genug Kraft zu, um sie vorwärts zu bringen und sie zur künftigen Selb-