Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 1-2 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 allgemein slavische, eine magyarische, eine polnische Frage, und jede dieser Fragen bedroht ihre Umgebung. Das, was die Völker eint, tritt hinter dem, was sie trennt, immer trauriger zurück. Viele derselben sind überdem in keiner Weise gewillt, die andern ruhig hingchn und hinleben zu lassen, sondern nur von der Unterdrückung oder Zertrümmerung derselben erwarten sie das Heil für sich selbst. Unsere Tage sind sehr wenig von Kriegen bedroht, welche das Belieben einzelner Fürsten hervorruft, desto mehr aber von solchen, zu denen die Leidenschaften der Völker treiben. Die von dem neuen Geiste gelehrte allgemeine Brüderlichkeit hat zu einer Gesinnung geführt, welche das Brudergefühl fast im Keime ersticken will. Kaum steht cs anders im Punkte der Religion. Von friedlichem Nebeueinanderlcben der verschiedenen Religionen ist keine Rede mehr; selbst die christlichen Konfessionen kehren statt des Vereinenden stets mehr das Trennende gegen einander hervor. Zwischen dem römischen Katholizismus und dem Protestantismus hat sich die Kluft unendlich erweitert. Der Versuch, durch eine allgemeine Religion der Menschlichkeit die Menschen zu vereinen, hat das gerade Gegentheil herbeigeführt. Man darf sich darüber nicht täuschen, daß es die allgemeine Neigung und Richtung der Zeit geworden ist, eine Unwahrheit durch die andere zu überbieten. Man will Fleisch mit Fleisch überwinden, man will frühere Verkehrtheit durch eine andere neue ersetzen, man will in beiden Fällen eigene Gedanken durchführen und wird hierin immer trotziger, immer rücksichtsloser, immer unnahbarer, immer feindseliger, immer teuflischer. Das führt uns zur Judenfrage. Jener Geist, welcher sie einst durch die allgemeine Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit lösen wollte, hat sich als ein Ungeist offenbart. Derselbe hat sie so. verfahren, daß sie nun mit desto schwererem Gewicht auf den Völkern liegt. Jener Geist besaß in sich selbst nichts, was Herzen und Gemüther innerlich zu vereinigen vermochte. Unter gleißenden Hüllen, unter dem lauten Schall bloßer Worte, unter dem Prunken mit Phrasen suchte er eine Vermählung des Geistes der Juden mit dem Geiste der Völker herbeizuführen. Der Erfolg ist schließlich nur gewesen, daß man sich auf immer neuen Gebieten als Gegner von einander kennen gelernt hat, daß man auf Schritt und Tritt