Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 1-2 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554876-2554878--07933-2563951- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 bereit, das Lebendas gesammte öffentliche, gesellschaftliche und volkliche Leben wie den Verkehr der Völker untereinander, nach dem Willen Gottes und nach den Weisungen seines Wortes zu gestalten? An Stimmen, die das fordern, fehlt es nirgends. Und das macht gerade unsere Tage zu so wichtigen, daß sic, allem Anscheine nach, die Entscheidung im Leben der Völker herbeiführen, daß sie endgiltig die Grundsätze, welchen dieselben fortan folgen, bestimmen werden. Sorge und Furcht muß hierbei das Herz erfüllen. Denn es schwebt über uns das Verhängniß, daß für ein Falsches ein anderes und für ein Nebel das andere erwählt werde. Den einen Teufel wollen Viele durch einen andern vertreiben, und so droht es noch ärger als zuvor zu werden. Das zeigt jeder Blick in's Leben. In ihrem eigenen Innern droht bei vielen der gebildetsten und der führenden Völker der Krieg Aller gegen Alle auszubrechen. Ferner denn je sind die Gcmüther davon, Gedanken der Versöhnung bei sich Raum zu geben. Die Fragen des Mein und Dein verbittern die Herzen stets ernster; die wachsende Schulbildung und die Theilnahme aller Kreise am öffentlichen Leben bringen keine Ausgleichung und gegenseitige Verständigung zuwege, sondern bringen es der Mehrzahl nur desto mehr zum Bewußtsein, daß ihre Lage hinter ihren Ansprüchen und Wünschen weit zurücksteht, und daß sie, so lange die gegenwärtigen Verhältnisse andauern, auch die erstrebte Befriedigung nicht finden werden. Nicht Ausgleichung der Gegensätze, sondern Verschärfung derselben hat der Verlauf der Zeiten herbeigesührt, und nicht das Gefühl der Gemeinsamkeit beherrscht an erster Stelle die verschiedenen Klassen der Völker, sondern der feindselige Klassengeist erhebt immer rücksichtsloser sein Haupt. Die falsche Allgemeinheit führt jetzt zur falschen Absonderung der Einzelnen. Aehnliches bereitet sich in dem Verhältniß der Völker ju. einander vor. Seit den Tagen Napoleon III. ist nicht blos jedes große Volk, sondern nun bereits auch fast jeder einzelne Stamm darauf bedacht, seine Besonderheit herauszukehren und mit derselben schroff und feindlich den andern entgegenzutreten. Wir haben heute eine französische, eine deutsche, eine russische, eine