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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 1-2 (1883) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
1-2 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 nur den Stab Wehe gebrauchen dürfe. Wohl hatte man eine klare Erkenntniß dafür, daß sich die Juden auf Irrwegen befänden, daß man selbst am allerwenigsten daher auf die gleichen Wege abirren dürfe, und daß sich ein christliches Volk auch den Juden gegenüber als ein christliches selbst bewahren müsse — daß aber derselbe Gott, der dies den Christen durch die Juden predigte, ihnen au diesen eine Aufgabe der tragenden Barmherzigkeit und der geduldigen Erziehung zugewiesen hätte, erkannten nicht Biele. Das öffentliche Leben der Christen stellte sich im Großen und Ganzen den Juden gegenüber die Ausgabe, dieselben von sich abzuwehren, für sie selbst that es herzlich wenig. Da, seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa, schien es anders werden zu wollen. In der Christenheit wandelten sich die Anschauungen. Statt wie bisher in dem ewigen Gott, den die Schrift lehrt, den Ausgangs- und Zielpunkt für alles Denken, Streben und Leben zu suchen, glaubte mau Beides in den Menschen selbst verlegen zu können. Der Mensch sollte sich selber das Erste und Letzte werden, seine Gedanken,'Meinungen und Ueberzeugungen überall, also auch im Gebiete der Religion, das Maßgebende, das Bestimmende, das Richtige und Wahre sein. »Das Menschthum« war zum Mittelpunkt und war der Schlüssel aller Rüthsel geworden. Dem allgemeinen Menschenwesen zu Liebe wollte man jetzt Alles ändern und neugestalten, und hoffte hierdurch, was bisher nicht gut war, von Grund aus besser machen zu können. Vor diesem allgemeinen Menschthum sollte alles Besondere zurücktretcn. »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« wurde mit Nothwendigkeit zuletzt das Stichwort für diese Anschauungen. Alle sollten nur Menschen sein, nicht Deutsche und Franzosen, allgemeine gleiche Staatsbürger und nicht verschiedene Glieder eines Leibes, Bekenner und Verehrer einer Gottheit und nicht Evangelische, Katholiken oder Juden. Bis in's Einzelne hinein zog dies und zieht dies zum Theil noch jetzt seine Folgen. Anschauungen und Grundsätze solcher Art ließen Mendelsohn und den seit ihm wachsenden Schaaren der Seinen besonders in Deutschland und Frankreich, heute aber in den Ländern von West- und Mitteleuropa und Nord-Amerika so ziemlich allen Juden, und auch in Rußland, Asien, Afrika, oder wohin die heutige Kultur 1*

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