Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 1-2 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 irgend dringt, von Jahr zu Jahr größeren Massen derselben das Staats-, das öffentliche, das gesellschaftliche, das Geistcs- Leben ihrer Umgebung, in einem ganz anderen Lichte erscheinen. An einem derartigen Leben der Völker wollten sie sich bethciligen, und von nun an forderten sie ebenso dringend nnd allseitig Aufnahme in dasselbe, als sie sich vorher von demselben abgeschlossen hatten. Im Namen des allgemeinen Menschthnms verlangen die Juden bis zu dieser Stunde die gleichen Staatsnnd Bürgerrechte mit den Christen derjeniger Völker, in deren Mitte sie wohnen. Ihr Rechtstitel sind diese Grundanschaunngen und Grundsätze; und so lange diese anerkannt werden, ist es bloße Willkür, die Forderungen der Juden abzuweisen. Aber höchst seltsam hat sich jene sogenannte allgemeine Menschlichkeit unter den Völkern eingeführt. Da, wo sie das erste Mal in's Leben trat, nämlich in Frankreich, übte sie ein Blut- und Schreckensregimcnt, wie es die Welt »nr selten gesehen hat. Die vermeintliche Menschlichkeit bestieg ihren Thron nur unter Ausübung der entsetzlichsten Unmenschlichkcit, nnd sic behauptete denselben auch ganz allein durch die Mittel des Schreckens und der furchtbarsten Gewissenstyrannei. Als eine Wohlthäterin und milde Freundin für das innere Leben der Völker hat sich jenes Menschthum nicht gezeigt, sondern als dessen vollendetstes Gegentheil. Eben so seltsam waren die Erfahrungen, welche die Welt machen mußte, als nun die Franzosen, die Apostel der neuen Lehre von der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit Aller, dieselbe auf ihr Verhältniß zu den andern Völkern anwandten. Das Volk jener so freundlich und so verheißungsvoll klingenden Grundsätze gab den übrigen Nationen die Auslegung derselben damit, daß cs sie, mochte es für sich selbst die republikanische oder die Staatsform eines Kaiserreiches wählen, mit Krieg überzog, ihre Länder zerstückelte, ihr Geld an sich riß, sie bis zur Verzweiflung aussog, alles Recht und Billigkeit ihnen gegenüber einfach mit Füßen trat und sie unter ein Sklavenjoch beugte, das schlimmer als die Herrschaft der heidnischen Römer über seine Eroberten war. Aehnliche Folgen aber hatten die Grundsätze des allgemeinen Menschthums, als sie nun auf das gesellschaftliche und tägliche Leben der Bürger untereinander angewandt wurden. Thatsächlich