Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 11-12 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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193 Tag, gönnt sich keine Ruhe, steht allein da ohne einen Gehilfen und bereitet ganzen Schaarcn von Kranken Medizin. Ohne Aufhören wendet man sich an ihn und ruft ihn herbei, so daß, wenn er durch die Straßen geht, die Leute sich in Massen zn ihm drängen, ihm Hände und Füße zu küssen; und während die Christen und Juden für ihn Messen und Gebete darbringen, vergessen die Muhammedaner ihren Propheten, und in den Moscheen hört man Worte, wie diese: »Es ist nur ein Gott und der Doktor!« Man übt nur Gerechtigkeit gegen die Verdienste vr. Philip's, wenn man hieran erinnert und die große Energie und die unermüdliche ärztliche Hilfe, die er unter der Bevölkerung von Jaffa geübt hat, zur öffentlichen Kenntniß bringt. Er hat die allgemeinste Anerkennung der Behörden und der Einwohner gefunden und ohne Zweifel durch seine unablässigen Bemühungen und durch die von ihm verschriebenen Mittel Vieler Leben gerettet; besonders aber wären die Einwohner von Jaffa ohne ihn in völlige Verzweiflung gerathen. Ich freue mich mittheilen zu können, daß in den letzten zwei Wochen keine neuen Fälle von Cholera daselbst vorgekommen sind, und dieselbe scheint aus der Stadt verschwunden zu sein." Nicht lange vor dieser Choleraepidemie hatte eine Heuschreckenverheerung stattgefunden. Die Felder und Gärten der Musterwirthschaft, die sich bis zum Erscheinen der Heuschrecken in einem blühenden Zustande befanden, waren wie das übrige Land verwüstet, und kein grünes Blatt außer an den Palmen und Stachelbirnenhecken zu finden. All das bereitete Or. Philip viele Sorge. Er hatte auch in der Familie schmerzliche Verluste erlitten. 1862 starb seine Frau, die ihm 14 Jahre hindurch eine treue Gehilfin gewesen war und ihm in seiner literarischen Arbeit außerordentlich beigestanden hatte, an einem typhösen Fieber; er selbst und seine übrige Familie aber litten wiederholt an Fieberanfällen. Zum zweiten Male trat der Tod in sein Haus ein und ließ ihn einsam in seinem Wittwerhause. Das Klima und die geistigen wie die leiblichen Nöthe, die er durchgemacht hatte, beeinflußten seinen Gesundheitszustand so, baß er um Versetzung in ein anderes Arbeitsfeld bat, wo er seine Familie bei sich haben könnte. Demgemäß wurde er nach Livorno in Italien gesandt, wo er bis 1870 blieb, um von da zu den Juden nach Rom zu gehen.