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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 11-12 (1882) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
11-12 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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189 zu retten, die glücklicherweise gerade dort kreuzten und ihnen zu Hilfe eilten, ehe das Schiff versank. Die Post mit dem Geldsack wurde gerettet, alles Andere ging verloren; und als Herman an der fremden Küste landete, hatte er nichts als das, womit er ging und stand, und eine kleine Stimme Geldes in der Tasche. Da hätte ihn leicht die Verzweiflung überkommen können, denn er hatte nicht Eltern, nicht Heimath und nicht Geld; aber er verzweifelte nicht. Ihm fiel ein Onkel in England ein, und er beschloß zu diesem zu gehn. Nach vielen Schwierigkeiten fand er denselben auf, erfuhr von ihm große Freundlichkeit und erhielt durch seine Verwendung eine Stelle als Lehrer in einer jüdischen Familie zu Plymouth. In dieser Zeit trat das ein, was seinem ganzen Leben eine Wendung gab. In Deutschland war er streng in allen jüdischen Gebräuchen aufcrzogen worden; aber da er den Unterricht in einer christlichen Schnle erhalten hatte, beobachtete er die Satzungen und Gebräuche des Judenthums nicht, wiewohl er äußerlich bei dem Glauben seiner Väter verblieb. Auch erhielt er sich eine hohe Verehrung für das Alte Testament und eine tiefe Scheu vor dein allmächtigen Gott. Er sah die Christen als die natürlichen Feinde der Juden an; damals hatten die letzteren ja oft noch auf den Straßen allerlei Unbill zu erfahren. Als er nach England kam, vermochte er Englisch zu lesen, aber nicht zu sprechen. In Plymouth fiel ihm eine englische Bibel in die Hand, die er mit großer Aufmerksamkeit las, besonders das 53. Kapitel Jesaia und das 9. Kapitel Daniel. Den Tag darauf, nachdem er diese Kapitel gelesen hatte, traf er mit einem alten polnischen Rabbi zusammen, den er über die Bedeutung dieser Kapitel befragte. Der Rabbi hörte die Frage kaum, so sprang er auf und warf dem Frager vor, er sei ein Nazarener und habe den väterlichen Glauben verlassen; im Zorn verließ der Rabbi darauf das Haus. Das erfüllte Herman mit Erstaunen; aber die Folge dieser Begegnung war, daß er seine Stellung verlor. Er kehrte darum nach London zurück und fand hier, wieder mit Hilfe seines Onkels, eine Anstellung in einer Druckerei. Durch die Besitzer derselben wurde er mit einem prcsbyterianische» Geistlichen bekannt, der mit ihm über Christum sprach; und durch dessen Erklärung der Stellen im Jesaia und Daniel fiel der erste Lichtstrahl in sein

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