Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 11-12 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554884-2554891--07911-2563932- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
185 10,000 Traktate hat Frankel in seinem Gebiet verbreitet; die Zahl der die Missionsschule besuchenden Knaben stieg von 72 auf 180, der Mädchen von 92 auf 320. Die israelitische Allianz hat jüdische Gegenschnlen errichtet, aber die der Mission blühen trotzdem. Allein die französischen Regierungsschulen thun jetzt denen der Mission Abbruch. Unter den jüdischen Kindern aber, welche den Unterricht der Mission erhalten, haben die Lehrer und Lehrerinnen manche erquickliche Erfahrungen gemacht. So schreibt Fräulein Combe noch jüngst: „Ich hatte die Kinder für die Sommerferien entlassen, da kam eines der älteren Mädchen, die Tochter einer wohlhabenden Familie, zu mir und schrie und bat, daß sie jeden Tag während der Ferien bei mir zubringen dürfe, sie wolle am Morgen kommen und am Abend gehen. Ich ließ mich endlich überreden. Am nächsten Morgen saß ich an meinem Schreibtisch, da klopfte es leise an die Thür. Das Gefühl, gestört zu werden, wollte mich übermannen, ich bekämpfte cs aber, als ich mit weicher Stimme mich anredcn hörte: »Lehrerin, wollten Sie mich wohl mit Ihnen ein Kapitel aus dem Evangelium lesen lassen und dann mit mir beten?« So kam das Mädchen jeden Tag während der Ferien, in denen sie die messianischen Weissagungen lernte. Eines Abends forderte ich sie auf, mit mir heraufzukommen und sich das französische Lesebuch mitzunehmen, während ich mich mit Handarbeiten beschäftigen wollte. Nachdem sie eine Weile gelesen, stieß sie auf zwei Zeilen, die aus einem christlichen Licderbuche stammten. Da hielt sie inne uud sagte zu sich selbst: »Ja, so, gerade so!«, dann schlang sie ihren Arm uni mich und mit freudigem Lächeln sprach sie: »O, liebe Lehrerin, ich bi» so froh, daß Er gekommen ist!« »Wer?« frug ich. »Jesus!« antwortete sie. Ich nahm ihr das Buch aus den Händen und las die Zeilen selbst; da gingen mir meine Augen über, denn ich empfand cs mit tiefem Schmerz, wie sehr ich mich erst hatte überwinden müssen, um dieses Kind anzunehmen, und wußte nun, daß die Unrechte Zeit des Mädchens Gottes rechte Zeit gewesen war." Ein großes Hinderniß für das Missionswerk aber ist es, daß die Rabbiuen zugleich die bürgerliche Obrigkeit für die Inden in Tunis sind und die vollkommue Macht, die Strafen des mündlichen Gesetzes über sie zu verhängen, besitzen. Taufen können