Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 11-12 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554884-2554891--07905-2563926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
179 zukommen. Ucber 3000 Juden haben in einem Jahre seine ärztliche Fürsorge und Pflege genossen. Aber das alles hindert sie nicht, ihm in seiner eigentlichen Missionsarbeit oft recht feindselig entgegenzutreten. Die Juden ließen sich ja einst auch die Wunder und Heilungen Jesu Wohlgefallen, aber gegen seine Zeugnisse wurden sie dadurch nicht freundlicher gestimmt, und diejenigen Juden, welche dem Herrn näher zu treten begannen, hatten dafür die bittere Feindschaft der andern zu erleiden. So ist es auch heute noch geblieben. Ein Jude stand mehr als drei Monate im Unterricht des Missionar Eppstein. Er kam aus Konstantinopel, wo er den Missionsgottesdiensten beigewohnt hatte, deshalb aber von den Rabbinen mit Gefängniß bedroht worden war. Deswegen floh er und wurde ein Genosse des Eppsteinschen Hauses. Der arme Mann hatte nicht viel Festigkeit; ein Jude, der sich die Gunst der Rabbinen gewinnen wollte, suchte ihn zur Rückkehr zu den Juden zu bewegen. Das gelang; und um nun aus dem Falle so recht Kapital zu schlagen, überredete jener Jude den anderen, seine Reue recht offen vor Jedermann zu bezeugen. Der Büßer wurde dazu halb nackt ausgezogen, aus den Boden gelegt und bat dann fromme Juden, über ihn dahinzuschreiten, auf ihn zu treten und ihm ins Gesicht zu speien; ja endlich mußte er es gestatten, daß man Kerzen anzüudete und deren flüssig gewordenes Wachs auf seinen Körper herabfallen ließ. So mußte er für die Sünde büßen, daß er bei den Missionaren Unterricht genommen hatte. Damit aber noch nicht zufrieden, nöthigte man ihn auch, die anderen offenen und geheimen Freunde der Mission unter den Juden Smyrnas zu nennen, und das rief denn eine Verfolgung über viele hervor. Erklärlich ist es, daß die Judenschaft in Jerusalem Alles aufbietet, um jeden Einfluß der Mission auf die Ihrigen zu Schanden zu machen. Aber es gelingt ihr nicht. Um die Missionsschule lahm zu legen, hat die Israelitische Allianz eine jüdische Gegenschule errichtet, aber obwohl sie den dieselbe besuchenden Knaben Nahrung und Kleidung bietet, nicht mehr als drei oder vier Knaben für dieselbe gewonnen. Die Schulen der Rabbinen, die ihre Kinder gleichfalls speisen, sind zahlreich besucht, unterrichten aber nur im Talmud und im Lesen der Gebete der Synagoge. 12