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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 11-12 (1882) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
11-12 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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175 Neumann. Kurz vor seinem Ende, das am 20. November 1881 erfolgte, hatte er noch seinen Jahresbericht begonnen und mit Freuden erzählt, daß er 76 Juden in seinem Distrikt kenne, die heimlich das Neue Testament lesen, Hunderte aber, die offen die bisher dort allmächtigen Rabbineu bekämpfen. Zeugnisse für die Werthschätzung des Evangeliums geschehen denn auch trotzder Gefahr, die oft damit verbunden ist, nicht selten ganz öffentlich. So äußerte ein Jude in Gegenwart vieler seiner Glaubensgenossen: »Ich lese lieber christliche als rabbinische Schriften und das aus zwei Gründen. Einmal finde ich in den rabbinischen - Schriften nicht jenes Wohlwollen, jene Sympathie und jenes Mitleid für alle Menschen, wie im Neuen Testamente, das ich gelesen habe, und sodann ist tui Talmud nichts, das den Menschen im Herzen packt, sondern derselbe ist ein kaltes und gesetzliches System von Pflichten und Ccrcmouicn. Im Neuen Testamente lese ich nicht blos »deinen Bruder«, sondern: »Wenn deinen Feind hungert, speise ihn; wenn ihn dürstet, tränke ihn!« Das jüdische Gesetz ist hiervon so weit entfernt, daß es uns gebietet, selbst nicht einmal mit einem Christen zu essen, wenn wir auch Hungers sterben; und im Talmud finden wir nur ein kaltes Ceremonienwcsen. — Die Juden sind also Rückschrittler und gehen täglich vom Schlechten zum Schlechteren; sie halten allein am Buchstaben, nicht aber am Geist der Gebote.« Die Antwort, welche dieser Jude hierauf empfing, war: »Du bist ein Verrückter!« Der Widerspruch gegen Christum aber ist denen, die allen Glauben verlieren, und denen, die noch am Alten festhalten wollen, gemeinsam. Unglaube, völliger Unglaube dringt jedoch auch in die Judcnschaft der Türkei bereits mit Macht ein. So sind eines Tages eine Anzahl von Juden in Konstantinopel versammelt und sprechen mit einander. Da zieht einer derselben ein Buch aus der Tasche und sagt: »Das ist viel besser als die Bibel. Ich gehöre zu einem Verein in Saloniki, der weder an das Alte, noch an das Neue Testament noch au den Talmud glaubt; diese alle sind in unfern Augen nur alte Lumpen, das Beste dagegen, was Gott geschaffen hat, ist das Geld. Wir können nichts Besseres thnn als essen, trinken und Geld verdienen; das ist die rechte Wahrheit« — und schallendes Gelächter lohnte dem Redner, denn viele der Anwesenden waren seiner Ansicht.

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