Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 11-12 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Mann ganz aus bettt Gesicht verloren; da trat ihm derselbe eines Tages all seiner Thür entgegen. »Mein Herr,« sagte er unter großer Bewegung, »Sie haben mir dieses Buch aufgenöthigi,« bei diesen Worten hielt er ihm das Neue Testament entgegen, »ilud ich komme nun, Ihnen für das Geschenk zu danken, welches ich so ungern angenommen habe. Denn in bcn letzten acht Monaten ist dieses Buch mein Studium bei Tag und bei Nacht gewesen, und jetzt bin ich ein anderer Mensch; denn der Inhalt dieses Buches hat meiner unruhigen Seele Trost und Frieden gebracht. Ich habe mich die ganze Zeit über von Ihnen ferngehalten; denn da ich mich in bedrängten Umstünden befand, fürchtete ich mich, daß ich auf Sie den Eindruck machen könnte, als suchte ich äußere Hilfe. Jetzt haben sich meine üllßeren Umstände wieder gebessert, und nun komme ich, um mich bei Ihnen in den christlichen Unterricht zu begeben, nehmen Sie mich an und schlagen Sie meine Bitte nicht ab.« So hat das Wort Gottes kräftig mit dem Herzen eines Menschen ohne irgend Jemandes Znthnn geredet und einen Sünder zur Buße, zur Freude und zum Frieden gerufen. In Rom setzt die Wittwe des Missionars Bnrtchaell unverdrossen ihr Werk unter der jüdischen Jugend fort. Von allen jüdischen Mädchen Roms erhalten nur diejenigen einen religiösen Unterricht, welche die Schule dieser Dame, die sie das Christenthnm lehrt, besuchen. Auch einer Anzahl von jüdischen Frauen aber tritt Frau Bnrtchaell nahe und arbeitet mit regem Eifer an dem Werke ihrer Bekehrung. Die italienischen Inden zeigen jedoch ebensowenig Sinn für Religion überhaupt als die französischen. Dem Missionar in Venedig antwortet man auf seine Vorhaltungen am Liebsten: »Soll ich meine Zeit mit dem Lesen solcher Unsittlichkeiten, wie die Bibel sie enthält, vergeuden, oder an einen Gott glauben, der sich dem Moses offenbaret hat?« und in ähnlicher Weise. In Schulen verbieten Inden den Lehrern, ihren Kindern etwas von irgend welcher Religion zu sagen, und Rabbinen entgegneten dem Missionar bei seinem Hinweis auf den Messias: »Unser Messias ist noch nicht gekommen und wird auch nicht kommen, denn der Esel fehlt, auf dem er reiten kann!« Eine so frivole Gleichgiltigkeit herrscht doch für gewöhnlich nicht unter den