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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 11-12 (1882) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
11-12 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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171 berührt. Schon ihre Zahl ist keine große, und ihrer Umgebung gegenüber haben sie ihre Besonderheit nicht in dem gleichen Maße, wie ihre Brüder im Osten, aufrecht zu erhalten verstanden. In religiöser Beziehung scheinen sie im Durchschnitt dem höchsten Grade der Gleichgiltigkeit verfallen zu sein. Religiöse Gespräche sind unter ihnen fast unerhört, oder kommt man mit ihnen auf das religiöse Thema, so äußern sie sich gewöhnlich in absprechendster Weise. Und doch sind z. B. unter den Juden Frankreichs, von denen eine bedeutende Zahl airs Rußland stammt, viele in ihrer Jugend oder noch später äußerst orthodox gewesen. Überall macht man eben die Erfahrung, daß die Berührung mit dem modernen Leben die alte jüdische Orthodoxie tödtet — ein Beweis, wie innerlich haltlos und tobt dieselbe ist. Wie die Heidcnrcligionen mit ihrem Boden verbunden sind, so lebt und stirbt das talmudische Judenthum gegenwärtig mit der Abschließung vou der modernen Welt. Mühselig versucht man unter den Juden der Gegenden, welche schon für eine längere Weile das zeitgciuäß umgewandelte Judenthnm besitzen, unter dem fortwährenden Zerbröckeln des bisher heilig Gehaltenen Hilfe in einer Neuorthodoxie, aber dieselbe ist nicht besser als jenes Neuheidenthum, das sich einstmals gegen das siegreich vordringende Christenthum bildete. Man sucht in neuaufgeputzten alten Fornien den Halt, aber der Geist, der jene früheren Formen schuf, fehlt, und so sind dieselben heute nur ein kiinstlicher Aufputz, welcher das zerfallende Gebäude vor dem Zusammenbruch nicht rettet. An Glauüensüberzcugungen fehlt es dieser Neuorthodoxie nicht weniger als der Reform, sie ist oft nur noch heuchlerischer. Das Evangelium weckt aber auch unter diesen Juden manchen Schlafenden. Missionar Mainlock begegnete in Paris einem jungen jüdischen Studenten, bei dem er vergeblich ein Interesse für religiöse Gegenstände anzuregen suchte. »Ich habe gar keine religiösen Grundsätze!« war seine kurze aber entschiedene Antwort. Nach einiger Unterhaltung bot der Missionar dem Studenten ein Neues Testament an, das dieser, wiewohl nur mit Widerstreben, annahm. 8 Monate vergingen darnach. Der Missionar hatte den jungen

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