Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 11-12 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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165 alle der Beweis völliger Selbstlosigkeit nud einer wahrhaft reinen Liebe sei. Warum also verfahre man mit ihm so hart und grausam? Zugleich aber frng er sich, was doch wohl im Christenthum verborge» sei, daß cö in einem Menschen eine solche Gesinnung zu erwecken vermöge? Er verschaffte sich ein Neues Testament und was er in demselben las, drang ihm bald in's Herz, so daß er lebhaftes Verlangen fühlte, dieselbe Hoffnung zu gewinnen, die seinem Vetter im Angesicht dcö Todes soviel Kraft und Stärke verliehen hatte. Er wurde ans seines Vaters Hause getrieben und gcricth in die äußerste Roth; dennoch lehnte er cs ab, unter der Bedingung, daß er Christum aufgebe, nach Hause zurückzukehren. Aber der Weg wurde ihm dann auch geebnet, er fand eine vorthcilhafte Anstellung nud ist nun getauft. Oder wie das Evangelium, wenn es nur den Juden nahegebracht wird, in ihren Herzen und Gewissen oft still und verborgen arbeitet, dafür ein anderes Beispiel. Ein Jude wird von einem Christen veranlaßt, dem christlichen Gottesdienste einmal bcizuwohnen. Er hört die Predigt, dieselbe geht ihm nach, und der Gedanke erwacht in ihm, daß er einen Erlöser nöthig habe. So liest er die Schrift und wird dann nicht blos selbst zum Fuße des Kreuzes geführt, sondern auch das Mittel, vier andere Jude» zur Nachfolge zu reizen. In Amsterdam sind während des Jahres 10 Juden durch die Mission getauft worden. Und auch dort dieselbe Erfahrung wie anderwärts, daß die Synagoge, mag sic gleich das wichtigste nationale Band auch für die Juden der Gegenwart sein, religiös sie durchaus nicht zu befriedigen vermag. Bor ihrem Vcrsöhnungstage gaben ansehnliche Juden dem Kolporteur einen Wink, daß sie einen Gottesdienst in der Missionskapelle wünschten, der ihnen etwas böte. Missionar Adler that das natürlich mit Freuden und hatte dann auch mehrere Juden als Zuhörer seiner Predigt, von denen einer ihn später besuchte, um sich ernster über Christum mit ihm zu besprechen. Ganz besonders erregt zeigen sich die Juden in Deutschland. Die Zeiten der ruhigen Sicherheit sind vorbei, und die antisemitische Bewegung, die man zum hundertsten Mal todtgcsagt 11*