Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 9-10 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 daß, wer nicht einen Elephanten oder einen Galla getödtet hat, seine Haare nicht mit Butter beschmieren darf. Ganz offen erklärte denn auch ein Falascha den Brüdern, daß er nichts arbeite, sondern sich und seine Familie vom Raube nähre; in den Regenzeiten besonders überfiele er mit seinen Genossen die Nachbarprovinzen, wo sie Ochsen und Kühe stehlen. Ihre Nahrung besteht aus dem Fleisch der geraubten Thiere und aus einem schlechten schwarzen Brote. Die Missionare aber scheuten sich nicht, diesen Räubern das Wort Gottes zu verkündigen, und hielten ihnen »scharfe Predigten«, ohne dafür von ihnen angetastet zu werden. Diese Provinz, schreibt Argawi weiter, hat wenig Wasser, daher sie auch dünn bevölkert ist. Die Falaschas daselbst haben keine Priester und Synagogen. Die Frauen sind sehr schmutzig und ekelhaft anzusehn; von Zeit zu Zeit beschmieren sie sich vom Kopf bis zur Zehe mit Butter. Ihre ganze Kleidung besteht aus einem weichen Felle, das sie um ihre Lenden gürten. Nichtsdestoweniger sind sie ungemein stolz und wollen von geistlicher Noth am wenigsten etwas wissen. Aus dieser Provinz gelangten die Missionare dann nach viertägigem, beschwerlichem Marsche nach der westlich gelegenen Provinz Agau und mußten hierbei noch einmal den Blauen Nil überschreiten. Das Bild, welches dieses Land ihnen bot, war ein herrliches. Ringsum riesige Bäume, und die ganze Vegetation ungemein üppig. In den Aesten Hunderte buntgefiederter Vögel, die prächtig sangen. Ganze Schaaren von Affen, Gazellen, Hirschen und Antilopen, aber freilich auch Schlangen und andere giftige Thiere. Unheimlich klang besonders das Schnauben der Nilpferde, die den Fluß abwärts schwammen und nur den breiten Kopf über dem Wasser sehn ließen. Auf einem elenden Boote aus Papyrus aber mußten die Missionare über den Strom setzen, und die Fahrt war gefährlich. Die Esel wurde» entlastet und mußten, von einem Schwimmer geleitet, das jenseitige Ufer schwimmend erreichen; alle aber kamen wohlbehalten an demselben an. Viele der Falaschas in der Provinz Agau leben der Hoffnung, daß der Messias bald kommen und sie aus der Zerstreuung, in welche sie nach ihrem Bekenntniß ihre Sünde gebracht habe, aus allen Enden der Erde nach Jerusalem führen werde, um dort das Reich Israel neu zu gründen.