Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 9-10 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Jetzt, wo dieselben rein auf ihre eigenen Füße gestellt sind, und die Hoffnung, Flad wieder bei sich zu sehn, immer mehr schwindet, fühlen sie tiefer als je früher die ihnen obliegende Pflicht. Sie merken es nun selbst, daß gegenwärtig das Werk zunächst auf ihren Schultern ruht, und haben Flads Ermahnungen, ihrer Verantwortlichkeit sich fortan voll bewußt zu werden, zu Herzen genommen. So berichtet Michael Argawi, der Leitende unter den eingeborenen Missionaren, unter dem 14. April über eine Missionsreise. Von der Küste, wo er Flads Nachrichten erwartete, war er erst am 12. Januar zurückgekehrt, weil er sich hatte einer Kaufmannskarawane anschließen müssen, und diese auf dem Wege sehr lange verweilte. Man hatte bereits um seines langen Ausbleibens willen für ihn gebangt, aber er kam glücklich wieder. Darauf hat er dann mit Bern, Merscha und Fanta eine Reise nach Wandige, Mätscha und Agau in der Zeit vom 4. Febr. bis zum 28. März unternommen. Esel, je einer für 7 Thaler gekauft, trugen ihnen 100 N. u. A. T., 200 Bibl. Geschichten, 300 Herzbüchlein und 100 andere Traktate. In der Synagoge (Mesgid) eines Dorfes Bebes fanden sie 3 Falaschamönche, ehemalige Schulkameraden des Aba Elias. Begierig nahmen diese das Wort Gottes auf, und die Laien thaten desgleichen. »So andächtige Zuhörer habe ich unter den Mönchen und Laien noch nie getroffen.« Desto unzugänglicher erwiesen sich die Falaschas sogleich im nächsten Orte. Man jagte hier einfach die Missionare fort und gewährte ihnen keine Herberge, so daß sie die Nacht unter einem Baume zubringen mußten. Nur ein Debtera (Gelehrter) kam Abends zu ihnen, gab ihnen ein Abendessen und frug sie, ob Brot und Wein im Abendmahl wirklich Brot und Wein seien? Denn die Falaschamönche hatten ihm und allen den schwarzen Juden gesagt, daß die Christen Menschenfleisch äßen und Menschenblut tränken. Auf ihrer weiteren Wanderung trafen sie den Proselytey Debtera Seru, der vor 4 Jahren mit seiner Frau und seinen Brüdern die Taufe empfangen hatte; vorher war er ein Zauberergewesen, der als ein Retter in allen Krankheiten unter den Falaschas große Ehre genoß und viel Geld verdiente: jetzt ist er ein treuer Nachfolger Jesu. Ihm wurden Bücher überlassen, die er in der Umgegend verbreiten sollte.