Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 9-10 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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148 noch zwanzig Jahre nach seinem Abgänge vom Institut redete man von ihm als von einem gefährlichen Menschen, der manchen Juden zum Abfall gebracht habe. Nicht minder war er bemüht, die schon bekehrten Juden in ihrem Glauben zu stärken. Ueberall, wohin er kam, erkundigte er sich nach denselben, und das thaten alle Halle'schen Missionare der früheren Zeit, in Folge der von dem Institut empfangenen Anweisung. Viele dieser Proselyten aber haben es ihm herzlich gedankt, daß er sich geistlich ihrer annahm. Mit großem Nachdruck verwies er sodann auf seinen Reisen auch überall in Predigten wie in Gesprächen die Christen aller Stände und die Geistlichen zumal auf ihre Pflicht den Juden gegenüber. Unter den Studenten zumal warb er eifrig für das Misstonswerk und suchte aus ihrer Mitte Missionare zu gewinnen. Seinen Anregungen war es denn auch zu danken, daß unter den Studirenden verschiedener Universitäten der jüdischen Theologie Beachtung geschenkt, und die Pflicht der Mission unter den Juden beherzigt wurde. Er selbst hatte sich aber so völlig in seinen Missionsberuf eingelebt, daß es ihm der größte Schmerz war, als ihn sein körperlicher Zustand zwang, denselben aufzugeben. M. litt an einer Anlage zur Fettsucht, und dieselbe steigerte sich bei ihm von Jahr zu Jahr. Auch die geringe Lebensweise, zu welcher er genöthigt war, heilte dieses Uebel nicht, und die Kurzathmigkeit neben andern Beschwerden, welche dieses Leiden mit sich bringt, machte ihm das fortwährende Fußwandern zu steter Pein, schließlich aber zur Unmöglichkeit. Trotzdem hielt er 14 Jahre aus, und erst als weiteres Verbleiben eine völlige Unmöglichkeit wurde, verabschiedete er sich am 20. Februar 1744 vom Institut und übernahm zunächst die Schloßpredigerstelle in Nienburg (Anhalt); schon das Jahr darauf aber wurde er als Pastor an die lutherische Kirche Agnus Dei (Lamm Gottes) in Cöthen (Anhalt) berufen und hat dort das Amt bis zu seinem Tode am 16. April 1758 verwaltet. Er hat also nur ein Alter von gegen 51 Jahren erreicht. Ein so eifriger Missionar er gewesen war, ein so eifriger und ausgezeichneter Pastor wurde er auch. Die Chronik jener Kirche nennt die Zeit seiner Wirksamkeit die eigentliche Blüthezeit der Gemeinde, das Glaubensleben während derselben kräftig und lebendig. Die Kirche wurde zu klein, so drängten sich die Schaaren