Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 9-10 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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146 An einem Orte, den er schon früher besucht hatte, von einem Juden gefragt, ob er wieder christliche Bücher bei sich habe, antwortete er: «Ja. Die Christen fahren fort, Liebe an den Juden zu beweisen, und werden es so lange thun, als es Gott haben will. Verständige Juden lesen und prüfen die Bücher, ob sie gleich unwissende und unverständige verachten. Wir lesen eure Bücher auch; denn das gehört zur genaueren Nachforschung, daß man beide Parteien unparteiisch hört und ihre Sachen liest. Uns stärkt es wenigstens in unserem Glauben, wenn wir das Chissuk Emunah, Tholedoth Jeschu, Nizzachon und andere dergleichen Schriften, welche das Christenthum bekämpfen, lesen. Denn wir sehn, daß die stärksten Bücher der Juden den Glauben der Christen nicht umstoßen können bei denen, welche recht in demselben erfahren und geübt sind. Und ich weiß nicht, warum sich die meisten Juden so vor unfern Büchern fürchten; sie müssen gewiß nicht allzufest und nicht auf einem guten Grunde stehn.« Der Rabbi tadelte darauf selbst die jüdischen Lästerschriften gegen Christum, fügte aber hinzu: »Eins laßt mich fragen: Wenn ein königlicher Prinz beim Leben seines Vaters einige Befehle desselben aufheben und die Unterthanen davon freimachen wollte, ob man nicht denken sollte, daß der Prinz nur die Unterthaneu versuche, ob sie getreu an seines Vaters Befehlen hängen? ob es nicht besser wäre, wenn die Unterthanen einem solchen Prinzen ungehorsam wären, als wenn sie ihm folgten?« Manitius entgegnete: »Ja, wenn es ein Absalom ist, so ist der Ungehorsam zu loben; ist es aber ein solcher, als Joseph in Egypten, euer Bruder, war, und dem alle Macht und Gewalt übergeben ist, da müssen die Unterthanen folgen.« Der Rabbi fiel ein: »Kann denn das, was Gott auf dem Berg Sinai geboten hat, geändert und abgethan werden?« Manitius erklärte: »Wir wundern uns eben, daß ihr etwas daran ändert; während unser Messias hingegen lehrt, daß nicht der kleinste Buchstabe und ein Titel vom Gesetz solle abgethan werden, und es auch durch ihn in seinen rechten Glanz und Würde gekommen ist.« Der Missionar führte dies dann weiter aus, und dankend für diese Belehrung schied der Rabbi von ihm. Aber freilich oft genug fand M. schlechte Aufnahme unter den Jude». Sie verbrannten die Bücher, die er ihnen gegeben