Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 9-10 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554884-2554890--07868-2563888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
143 aus der Schrift zu erbitten. So frug er einmal einen Rabbiner, als wäre er ein um seiner Sünden willen geängstigter Jude, um Rath und bat denselben, ihn allein aus Gottes Wort zu unterrichten, wie er wahrhaftigen Trost, Vergebung der Sünde, Leben und Seligkeit finden könne. Aus Psalm 51, 1. Mose 6 u. 8, aus Hiob, 5. Mose 27 u. s. w. stellte er seinen jämmerlichen Zustand dar, wie er nicht nur in Sünden empfangen und geboren, sondern auch darinnen gelebt und die Last der Sünden seiner Väter und Brüder auf sich liegen habe, und frug, wie ihm in solchem Zustande zu rathen und zu helfen sei? Der Rabbi antwortete, er müsse sich ernstlich bestreben, durch Gebet, Almosen, Fasten und Glauben an den einigen Gott Vergebung der Sünde zu erlangen, und berief sich hierbei auf Psalm 51,19: »Die Opfer, die Gott gefalle», sind ein geängstigter Geist«. M. aber frug ihn, ob er aus Gottes Wort gewiß wisse, daß dies der Wille Gottes und der einige Weg zur Seligkeit sei, und ob er sich getraue, ihm solches aus der heiligen Schrift zu beweisen? Der Rabbi erklärte sich hierzu bereit. M. aber zeigte ihm nun, daß, was er genannt habe, nicht zureiche, um sein Gewissen zu beruhigen, und daß solche Ausreden vor Gottes Gericht unmöglich bestehen können; denn Gott habe durch die Propheten deutlich einen andern Weg anweisen lassen. »Die alten Väter, sonderlich Daniel, sind auch einen andern Weg gegangen; warum unterstehen sich denn die heutigen Juden, die Bibel zu ändern?« Der Rabbi erklärte: »Die Bibel ändern sie nicht, nur ist in den Propheten Vieles versiegelt; Daniel hat es versiegeln müssen bis auf die letzte Zeit.« M. aber eutgegnete: »Aus Daniel 12, 10 ist zu ersehen, daß cs nur den Gottlosen versiegelt ist; diejenigen aber, welche verständig sind und Gott fürchten wollen, werde» es verstehen.« Hier stutzte der Rabbiner und wußte nicht weiter. M. nahm nun Jesaia Kap. 53 vor, erklärte cs ganz und lehrte, was Gott den Verständigen für einen Weg der Versöhnung eröffnet habe. Der Mann hörte ohne Widerspruch zu, bis auf die Worte: »Mein Knecht, der Gerechte«. Da machte er den Eiuwurf, wenn der Messias ein Knecht sei, wie er dann könne Gottes Sohn sein? Als M. ihm aber das Geheimniß des Vaters und des Sohnes aus dem Alten Testament uachwies, gestand der Rabbi: »Ich habe es schon längst erkannt und verstanden und glaube auch einen solchen Gott!«