Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1882-01-01 · 9-10 (1882) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
9-10 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554884-2554890--07867-2563887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

142 M.: »Gott hat mir das Gebot gegeben, duß ich meinen Nächsten lieben soll wie mich selbst. Er hat mir befohlen, daß ich auch dem Ochse» und Esel meines Feindes zu Hilfe kommen soll. Wie vielmehr muß ich suchen, meinen Nächsten, der da irrt, zurechtzuweisen, so viel ich kann.« Der zweite Jude fntg hierauf, worin er sic zurechtweisen wolle, und Manitius cntgegnete: »Zuerst in der Buße«, die er den Beiden dann erklärte. Andere Juden traten herzu. Der eine schrie ihn an: »Ihr seid viel zu jung, als daß Ihr alte Leute bestrafe» solltet!« M. erklärte ihm jedoch: »Weil die Alten nichts taugen, sondern stumm geworden sind, so schickt euch Gott Junge zu. Mußte nicht der junge David über die Alten herrschen, da ihn Gottes Wort klüger gemacht hatte als alle seine Lehrer?« Aergerlich cntgegnete der Jude: »Straft Euch nur selbst!« M. aber bekannte: »Das ist ein gescheutes Wort. Freilich, wo ich mich nicht alle Morgen, ja in allen Dingen zuerst selbst richtete und strafte, so würde ich mich nicht unterstehen dürfen, Andere zu erinnern«; und ähnlich lautete seine Erklärung, als der Jude den Missionar aufforderte, andere Christen zu strafen. Da gab der Jude dem Gespräche eine neue Wendung und redete M. an: »Gebt mir etwas Geld, ich habe es nöthig für einen Armen!« M.: »In Gottes Namen, einem Armen gebe ich gern, so viel ich vermag; da habt Ihr einen Groschen. Mein Messias hat mir befohlen: Gicb dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will!« Lächelnd aber gab der Jude dem Missionar den Groschen wieder und sagte: »Ich habe nur Sein Gemüth erkennen wollen. Ich bekenne es, was Er bisher geredet hat, ist gut; ich habe aber nicht länger Zeit.« M. jedoch ließ sich hieran nicht genügen, sondern erklärte dem Manne: »So viel tausend Christen sprechen mit Euch des Handels halber, und wenn sie selbst Gottlose sind, hört Ihr sie doch gern an. Da aber einer kommt und mit Euch etwas Gutes aus der Bibel spricht, habt Ihr nicht Zeit. Das bringt Euch ein schweres Urtheil am Tage des Gerichts; denn damit verachtet Ihr euer Gesetz — das ist mir nicht lieb.« Und unter solchem Zeugniß entfernte sich jener Mann. Zuweilen liebte M. es, in seinen Gesprächen mit den Juden sich als lernbegierig darzustellen und die Antwort auf seine Fragen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.