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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 9-10 (1882) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
9-10 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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141 Als Missionar suchte er dann die Juden vor Allem wieder auf die Schrift zurückzuführcn, die er in seltenem Maße kannte, nnd von deren Aussprüchen ihm stets ein ungewöhnliches Maß gegenwärtig war. Er besaß nicht die Gewandtheit und Schlagfertigkeit seines späteren Gefährten Stephan Schultz und war nicht so vielseitig wie dieser angelegt. Aber weil er aus eigener Erfahrung wußte, daß sich Alles im innersten Herzen Gott gegenüber entscheiden muß, so drang er auch bei den Juden vor Allem auf diesen Punkt, nnd seine Waffe hierbei war das Schriftwort. Darum legte er es auch nicht auf ein Disputiren an, sondern suchte das Zeugniß der Wahrheit dem Herzen und Gewissen nahezubringen. Einige Beispiele mögen seine Art darthun. Im Jahre 1736 wechselte er bei zwei Juden einiges Geld. Der eine äußerte gegen ihn: »Ihr redet eine so hohe Sprache, Ihr seid wohl ein Fremder und weit gereist.« M. antwortete: »Ja, ich bin sechs Jahre in der Welt umhergereist und suche etwas, das sich schwer finden läßt. Hier möchte ich es wohl auch nicht antrefsen.« »Was ist das?« frug der eine Jude. M.: »Einen recht frommen Juden, der redlich wandelt. Vor Zeiten waren Leute in der Welt, die vor Gott wandelten, wie von Hcnoch und Abraham geschrieben steht.« Der Jude lachte. M. entgcgnete ihm: »Ihr lacht mich darüber aus, daß ich solche Leute suche; aber wißt Ihr, daß Noah nur allein mit seinem Hause Gnade fand, als die Sündfluth kam. Die Ursache, warum ich unter euch solche Leute suche, ist, weil ich in der Bibel Weissagungen finde, in welchen dem Volk Israel viel Gutes verheißen wird, und weil es mich jammert, daß noch Keiner da ist, der es verstehen, merken und annehmen will. Wenn Gott sein Angesicht dahin kehrt, und ihr wendet euer Angesicht dorthin, so ist es nicht gut.« Der erste Jude unterbrach ihn: »Ich wollte schwören, Er ist ein Jude gewesen. Das Wort Abraham lernt keiner von den Goim (Nichtjuden) so aussprechen.« . M.: »Da irrt Ihr sehr; wer Lateinisch, Griechisch, Englisch und dergleichen Sprachen gelernt hat, wird ja auch das leicht können aussprechcn lernen wie ein Jude, wenn er sechs Jahre mit den Juden umgeht.« Der andere Jude fiel nun in die Rede: »Ich will Euch nur kurz sagen, was die Sache ist; was wollen wir lange hinter dem Berge halten? Reiset Ihr darum, daß Ihr uns bekehren wollt?«

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