Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 9-10 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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140 haben, daß ich nicht nur einem, sondern viel tausend verlorenen Schafen vom Hause Israel nachzugehen und dieselben zu suchen berufen bin. Und da der Juden Elend auch um so viel größer ist, je mehr sie leider von den heutigen sogenannten Christen verlassen und verabsäumt werden, und je wenigere sich bisher finden, die deren Heil mit Ernst suchen — dagegen unter den Christen ja »och manche treue und rechtschaffene Lehrer können gefunden werden, wenn man sie nur sucht und hernach recht Werth hält — würde Ihr Herz selbst voll innigster Barmherzigkeit und herzlichem Mitleid gegen das arme jüdische Volk geworden sein. Keiner unter Ihnen würde cs haben über sein Herz bringen können, einen, auch nur den geringsten Arbeiter des HErrn aus diesem so lange jämmerlich wüst gelegenen großen Weinberg wegzurufen; sondern Sie würden vielmehr wünschen, daß doch der barmherzige Gott bald mehr dergleichen Arbeiter bestellen möchte. Mir schwebt gewiß der unaussprechliche Jammer des jüdischen Volkes, mit den« ich die sechs Jahre her sehr viel umgegangen bin, am meisten vor Angen. Und weil mir ihre Noth und verlassener jämmerlicher Zustand je länger je mehr zu Herzen geht, so sehe ich nicht, wie es wird möglich sein, mich von dieser Arbeit abzubringen, wo mich der HErr unser Gott nicht auf besondere Weise mit Nachdruck zu einer andern wichtigeren und nöthigcren Arbeit führt. Ja ich wünschte, daß ich zehnmal länger leben könnte, als ich leben werde. Ich wollte alsdann doch durch die Gnade Gottes nicht müde werden, dieses Werk des HErrn auf Befehl meines Jesu zu treiben und seine umherirrenden Brüder nach dem Fleisch zu der großen Herrlichkeit und Seligkeit einzuladen, zu welcher er uns unwürdige und nunmehr fast undankbare Heiden aus lauter Erbarmen schon mehr als 1700 Jahre hat so reichlich einladen lassen. Ich glaube festiglich, was Römer 11, 29—32 steht. Deswegen habe ich nicht umhin gekonnt, dem Herrn Prof. Callenberg von dieser Sache einige Nachricht zu geben, damit er desto eher und besser allen vergeblichen Bemühungen Vorbeugen könne. Ich zweifle auch nicht darczn, daß sowohl Sie als andere christliche Gemüther, wenn Sie die ganze Sache genau überlegen, leicht die Billigkeit und Nothwendigkeit meines Entschlusses erkennen werden u. s. w.«