Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Glauben weitläufig zu rechtfertigen und als erlaubt hinzustellen suchte. Diese Schrift ist äußerst wichtig zur Kennzeichnung des ganzen Jndenthums. Nicht nur ist es merkwürdig, daß überhaupt eine solche Schrift zur Vertheidigung der Heuchelei erscheinen konnte, sondern daß sie den Namen des größten, berühmtesten, gelehrtesten Rabbis trägt. Wenn je das Judenthum den Anspruch erheben wollte, die wahre Weltreligion zu sein, diese Schrift spricht ihr das Todcsnrtheil; eine solche Schrift ist in der christlichen Literatur unerhört. Vom Judenthum hat also das Christenthum schon lange nichts mehr zu fürchten, wenn schon die verwirrende und zersetzende Wirkung einzelner jüdischer Ideen oder Personen auf die Christen je und je Schaden gebracht hat. Der letzte, durch welchen Elemente des Judenthums noch einmal auf das religiöse Denken der Menschheit Einfluß gewannen, ist Baruch Spinoza. So sehr seine Philosophie mit der talmudischen und mit aller Religion im Widerspruch steht, und wie sehr er auch selbst das Judenthum seiner Zeit verachtete und von ihm gehaßt wurde, so ist es doch nicht Zufall, daß der Erfinder des Systems des starren, alles Geschehende als'unvermeidliche Nothwendigkeit ausgebeuden Pantheismus ein Jude ist. Aus der Einfachheit Gottes als des durchaus nur einheitlich Seienden und allein seienden Einen folgt mit Dcnknothwendigkeit die Lehre, daß alles Geschehende mit unvermeidlicher Nothwendigkeit geschehe; und die letzte Folgerung aus diesem Gottesbegriff ist die schließliche Behauptung, daß dieses Eine auch das allein Seiende ist. In der That ist auch der gesammte rabbinische Monotheismus, philosophisch betrachtet, nur ein verhüllter Spinozismus. Die Dreieiuigkeitslehre hat den Monotheismus nicht nur als Religion erhalten, sondern durch ihn wurde er noch befähigt, die allgemeine Weltreligion zu werden. Achtzehnhundert Jahre dauerte dieser auffällige Zustand immer tieferen, geistig-religiösen Verfalls des jüdischen Volks. Aber ihm sollte wieder ein Morgen tagen; denn im Rath der Vorsehung war nicht sein Untergang beschlossen. Sollte ihm aber ein neuer Geistestag anbrechen, so mußte es sich von seiner ganzen Entwickelung lossagen und mit dem rabbinischen Judenthum gründlich brechen. Der Bruch ist in unserem 19. Jahrhundert erfolgt. Die franzö-