Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Ein entscheidender Wendepunkt nun für das ganze staatliche und religiöse Leben des jüdischen Volkes wurde der Eroberungszug Alexanders des Großen; in dieser Zeit bahnte sich der Uebcrgang aus dein natürlichen und ursprünglichen PartikularismuS seiner religiösen Stellung zum Universalismus an. Es ist die Zeit, da der altjüdische Monotheismus zuerst in ungünstig feindliche, dann in günstige, freundliche Berührung mit den religiös sich zersetzenden Heideuvölkern kam. Die syrischen Fürsten wollten den Unterschied zwischen Griechen und Juden, Vielgötterei und Monotheismus dadurch aufhebcn, daß sie das Judenthum auszurottcn suchten. Das war nicht nach dem Plan der Vorsehung, welche gerade durch Juden allen Völkern das Heil wollte zukommen lassen; und so scheiterte Autiochus Epiphanes in seinem Beginnen gegen die Inden. Hernach zeigte vielmehr im Großen und Ganzen die Heidenwelt eine große Geneigtheit, die Wahrheit und Reinheit des Monotheismus für ihren sinnlos und sittenlos gewordenen Götzendienst einzntauschen. Wenn das Judenthum damals noch rein und lauter im Geist und Sinne der Propheten sein Licht hätte leuchten lassen, wenn cs nicht gerade damals durch eigensinnige, bigotte und fanatische Satzungen im Geist und Sinn der Rabbiner versetzt und carrikirt gewesen wäre, dann würde Israel auf dem Wege gewesen sein, in damaliger Zeit eine bedeutende und fruchtbare religiöse Weltstellung sich zu schaffen, und der Unterschied von Juden und Heiden würde nicht zu einer so wilden Feindschaft Beider geführt haben, wodurch die Römer sich schließlich zu einem Vernichtungskampse gegen die Juden genöthigt sahen. Gab es je eine Zeit, da die Völker zur Anerkennung der Vortrefflichkeit der - jüdischen Religion bereit und geneigt waren, so war es jene Zeit unter Augustus. Dafür zeugen die vielen Tausende von Proselyten aus den Heiden. Wenn nun dennoch diese Geneigtheit und Gewogenheit in die größte Erbitterung gegen die Juden umschlug, die zur Zerstörung der Stadt Jerusalem führte, so ist das ein gewisses Zeichen, daß damals die Juden doch nicht fähig waren, den Heiden das zu sein, was sie ihnen hätten sein sollen nach dem Wort der Propheten. Die damals aufkommenden Schriftgelehrten und Pharisäer machten aber das jüdische Gesetz immer geistloser, veräußerlichten