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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 7-8 (1882) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
7-8 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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117 Dem jüdischen Volke kommt eine geschichtliche und religiöse Bedeutung und Weltstellung zu, wie keinem andern Volke der Welt. Aufgaben und Beruf zum Höchsten und Besten, aber auch damit eine ungemeine Verantwortlichkeit und für jede Versäumniß oder Verirrung ein vollgerüttelt Maß der Leiden und Schmerzen sind diesem Volke auferlegt. Freilich die Ansicht, welche das als den religiösen Weltberuf des jüdischen Volkes angiebt, daß es der Vertreter, Lehrer und Verbreiter des Monotheismus unter den Völkern sei, muß abgewiesen werden. Für dessen Ausbreitung hat der Islam durch die Araber unendlich viel mehr gethan, und der arabische Gottesbegriff ist dem jüdischen auf's Innigste verwandt. Nicht der Monotheismus überhaupt, sondern die Form, in welcher derselbe einst unter dem jüdischen Volke auftrat, hat die religiöse Weltstellung des jüdischen Volkes begründet. Der jüdische ist ein durch und durch sittlicher, der muhammedanische nur ein System des Glaubens und der Gottesverehrung ohne höheren sittlichen Gehalt. Das ganze Leben der Familie, des Staates und der Gesellschaft legen hiervon Zeugniß ab. Sobald also der jüdische Monotheismus nicht mehr der ursprüngliche sittliche ist, büßt das jüdische Volk auch seine religiöse Weltstellung ein. Aus Moses und den Propheten lernen wir den ursprünglichen jüdischen Monotheismus kennen. Dort aber ist Gott darum als der einzige, allein seiende, wahre Gott gedacht, weil er nicht allein Lebendigkeit, sondern auch Heiligkeit besitzt. Ein Ausfluß dieser Heiligkeit ist auch das Religions- und Staatsgesetz dieses Volkes, das sich dadurch von allen übrigen religiösen und politischen Gesetzgebungen unterscheidet. Oberster Grundsatz ist: „Ich bin heilig, und ihr sollt auch heilig sein". Auf dieser Grundlage aber war das Volk Israel das sittlichste Volk des Alterthums. Seine Auserwähltheit ist denn auch nicht eine Erfindung des Hochmuths, sondern bestand in einer ihm unter den heidnischen Völkern allein auferlegten sittlichen Verpflichtung zum Dienst Jehovahs. Damit nahm es eine ganz eigenartige Stellung unter den Nationen ein und stand unter ihnen einsam da. Es mußte allem heidnischen Wesen gegenüber intolerant sein und in seinem weltgeschichtlichen Berufe dem Heidenthum schonungslos entgegentreten. Die Angehörigen anderer Religionen durften im Lande Israel ihre eigene 7*

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