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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 7-8 (1882) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
7-8 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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116 Nach einem Besuch der geräumigen evangelischen Dreifaltigkeitskirche und des schönen Heyl'schen Gartens pilgerte ich nach dem israelitischen Gottesacker. Die Grabsteine sind theilweise mit hebräischen oder deutschen Inschriften versehen. Bei den letzteren fiel mir oft die christliche Färbung auf. Die eine lautete: „Du athmest frei von Erdenleid Des Himmels reinste Seligkeit", eine andere: „Unvergänglich frei von Mängeln, gleich den Engeln, wirst du droben würdiger den Höchsten loben." Oft sind Psalmenworte als Inschriften benutzt, z. B. Ps. 24, 3 u. 4; 16, 10; 118, 17. Manchmal scheinen die Hinterbliebenen die Unsterblichkeitshoffnung aufgegeben und sich mit der Erwartung begnügt zu haben, daß die Tobten in der Erinnerung der Lebenden fortexistiren werden. Auf einigen Steinen liest man den Satz: „Sein Andenken ist für uns unvergänglich." Es kommt auch das Wort vor: „Wer im Gedächtniß seiner Lieben lebt, der ist nicht tobt, der ist nur fern." Der Name des Verstorbenen wird meist mit einem „Hier ruht in Frieden" eingeleitet. Natürlich begegnet man auch überall der christlichen Zeitrechnung. Es stimmte mich wehmüthig, als ich der vielen, ohne den seligmachenden Glauben Gestorbenen, deren Gebeine hier modern, gedachte. Wie viele Söhne und Töchter Abrahams werden noch diesen Tobten Nachfolgen, bis „die Fülle der Heiden eingegangen" ist? Auf, liebe Mitchristen, zu neuem Eifer für das heilige Werk der Ausbreitung unseres Glaubens! Laßt uns fleißig Heidenmission treiben! Laßt uns aber auch der Judenmission nicht vergessen, deren Aufgabe cs ist, schon jetzt „Etliche mit Furcht selig zu machen und sie aus dem Feuer zu rücken" (Judä 23)! Endlich muß der große Tag erscheinen, an welchem das geistlich tobte Israel zu neuem Leben ersteht (Ezechiel 37). Dann erst werden auch die leiblich Tobten „in Frieden ruhen". Die religiöse Weltstellung -es jüdischen Volkes von vr. C. F. Hem an. (Leipzig, bei Hinrichs.) „Den Denkenden unter Christen und Juden eine Gabe zum Frieden" nennt der treffliche vr. Hem an diese Schrift, und wir glauben beiden Theilen zu nützen, wenn wir an dieser Stelle Gedanken aus derselben mittheilen.

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