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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 7-8 (1882) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
7-8 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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115 An seiner Stelle befand sich vielleicht früher schon ein anderes Gotteshaus, dessen iin Nibelungenlied gedacht wird. Der große, weite und hohe Raum wirkt wahrhaft erhebend. Da die Kirche von den Katholiken benutzt wird, so fehlt cs ihr auch nicht an reichem Schmuck. Sie besitzt namentlich Glasfenster von wunderbarer Farbenpracht. Auch in der 10 Minuten nördlich vor der Stadt liegenden gothischen Licbfraucnkirche finden sich viele prächtig gemalte Fenster. Durch ihre Umgebung zeugt die Kirche von der 1689 unter Melac erfolgten Zerstörung der Stadt. Auch sonst sind noch Spuren derselben vorhanden. Zu den wenigen Gebäuden, welche die Franzosen übrig ließen, gehört auch die berühmte Synagoge. Zu dieser lenkte ich jetzt meine Schritte. Mit der an sie anstoßenden Raschikapelle ist sie schon vielfach beschrieben worden. Das „ewige Licht" erinnert an zwei Christen, die einmal in Worms einen Aufstand gegen die Juden hcrbeiführten, in der Hoffnung, sich auf diese Weise der Strafe für einen von ihnen begangenen Frevel entziehen zu können. Doch kam die Schuld schließlich an den Tag. Die Uebelthäter endeten auf dem Scheiterhaufen, nachdem sie ihre Sünde bereut und zur Sühnung derselben das ewige Licht gestiftet hatten. So erzählte der Synagogendiener. Bald waren die Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen. Nun legte man mir das Fremdenbuch vor. Ich schrieb außer meinem Namen hebräisch die trostvolle Verheißung Irrem. 31, 10 aufs Papier: Der Israel zerstreuet hat, der wird's auch wieder sammeln. Dies Wort gab Anlaß zu einem längeren Gespräch mit dem anwesenden jüdischen Ehepaar. Ich fand wenig Verständniß für die alt- und nentestamentlichen Weissagungen (Röm. 11, 25 u. 26*) von der herrlichen Zukunft des auserwählten Volkes. Auch die Einladung, schon jetzt in Jesu von Nazareth „Heil, Heilung und Heiligung" zu suchen, wurde abgelchnt. Die hiesigen ca. 300 Judenfamilien leben in gutem Einvernehmen mit den Christen. Viele Juden sind übrigens keine Juden mehr. Viele glauben, wie mir gesagt wurde, — nichts. *) Man vergleiche über diese Stelle den trefflichen Aufsatz von Franz Delitzsch; „Der Israel Gottes" in dessen „Saat auf Hoffnung" 1881, S. 223 ff. Der Aufsatz widerlegt die gleichnamige Schrift von Max Fromme!, Gen.-Sup. in Celle. 7

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