Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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106 tischen Vater; wer mich aber verleugnet vor de» Menschen, den will ich wieder verleugnen vor meinem himmlischen Vater." Sie kenne Jesum und wisse, daß es keine Möglichkeit gebe, selig zu werden, ohne durch ihn, und daß sic einst vor seinem Stuhle werde erscheinen müssen, um dort ihr ewiges Urtheil zu hören. Danach möge sie nun entscheiden. Dringend bat sie da der Vater, ihr doch wenigstens soviel Liebe eines Kindes zu beweisen, daß sie eine halbe Stunde mit ihm ginge; werde sie dann auf ihrem Vorsätze beharren, daun möge sie thun, was sie wolle, er werde sic nicht hindern, aber noch einmal versichere er es, daß sie ihn dann auf offener Straße in seinein Blute liegen sehn solle. Der Gedanke, die Mörderin ihres Vaters zu werden, lag offenbar mit seiner ganzen schweren Last auf des Mädchens Seele. Jene Bitte, ans eine halbe Stunde mit ihm zu gehn, wollte sie ihm doch nicht abschlagen, und in diesem einen Punkte vermochte ich auch nicht ihr zu Widerrathen. Denn schritt etwa der Vater zu dem gedrohten Selbstmord, dann hätte mir die Tochter vorwerfen können, daß wir beide, ich und sie selbst die Schuld an seinem Tode gewesen wären, indem wir dem Alten eine an sich unschuldige und erfüllbare Bitte, deren Gewährung noch keine Verleugnung Christi in sich schloß, abgeschlagen hätte». Ich konnte hier in der That nur Alles dem Rathe und den Führungen Gottes überlassen. Ganz allein, wenn meine Schülerin den Muth gewonnen hätte, aus eigener Entscheidung den Vater, cs komme, was da wolle, gehn zu lassen, hätte ich innerlich das Recht gefühlt, den Vater einfach fortzuschicken; sonst sah ich mich im Gewissen verpflichtet, sie den Gang für die erbetene halbe Stunde mit dem Vater machen zu lassen. Die Beiden gingen, aber noch im Scheiden erinnerte ich meine Schülerin an ihre Pflicht dem von ihr gekannten Heilande gegenüber. Vor meinem Hause warteten indeß bereits vier andere Juden, wie wir dies dann gewahr wurden; als Hilfstruppe waren dieselben dort aufgestellt worden. Von allen diesen Personen umgeben ging nun das Mädchen dahin. Jetzt eilte ich in ihre frühere Wohnung. Dort vernahm ich, daß der Vater meiner Schülerin in der Frühe vor dem Hause auf sie gewartet hatte, denn er wußte durch die Stiefmutter, die