Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Aber nun brach sein Christushaß mit doppelter Gewalt heraus; denn alle» Unglauben und völlige Religionslosigkeit kann das heutige Judenthum vertragen; das Einzige dagegen, was es nicht verträgt, ist die Bekehrung eines Juden aus Ueberzeugung und von Herzen zu Christo. Das böse Gewissen, welches die Juden, ihnen selbst freilich unbewußt, in ihrem Widerstreben gegen Christum verfolgt, siihlt bei jedem Uebertritt eines der Ihrigen, der aus Ueberzeugung geschieht, einen Stachel in sich dringen, und die mühsam verbundene Wunde fängt alsdann wieder zu bluten an. Uebertritte aus äußeren Rücksichten lassen unsere Juden sich noch gefallen, denn sie erheben kein anklagendes Zeugniß wider sie; aber Uebertritte aus Ueberzeugung rufen sie immer von Neuem vor den Richterstuhl, an welchem sie wegen ihres hartnäckigen Widcrstrebens angeklagt werden. Die Anklage verspürt der ungläubige Jude sowohl als der orthodoxe, und darum reichen sie einander gegen jeden der Ihrigen, der Jesum in wahrem Herzensglauben ergreift, die Hand. Für den Vater meiner Schülerin hatte eine Entscheidungsstunde geschlagen. Er wußte nichts mehr zu antworten, aber desto entschlossener verhärtete Und verstockte er sich gegen Christum. Nicht um ihn allein handelte es sich jetzt ja auch, sondern zugleich um seine Tochter. Angstvoll saß dieselbe zwischen uns beiden. Da verfärbte sich sein Gesicht, und mit furchtbarer Stimme rief er mir zu: „Ich schwöre Ihnen zu, daß so wahrhaftig ich jetzt lebe und hier sitze, ich noch heute mich todtschieße, wenn meine Tochter nicht mit mir geht!" Und der ganze Mann, dem eine Fahrt von Amerika nach Breslau nicht zuviel gewesen war, um unter Gefahr für sich selbst-die Tochter von der Taufe abzuhalten, machte den Eindruck, daß es ihm mit seinem gottlosen Schwure Ernst sei. Trotzdem konnte ich ihm nur antworten, daß ich nicht die Verantwortung für sein Thun und Lassen trüge, sondern daß er einen Richter über sich hätte, dem er für sein Leben und seinen Tod Rechenschaft schuldig wäre. Die Entscheidung aber lag bei der Tochter. Ich bezeugte derselben, daß Christus auch über dem Vater stehe, und hielt ihr des HErrn eigenes Wort vor: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht werth", „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich wieder bekennen vor meinem himm-