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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 7-8 (1882) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
7-8 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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104 neben ihm die Tochter voller Thränen, unfähig, auch nur ei» Wort zu sprechen. Sein verführtes, sein betrogenes, sein ihm gestohlenes Kind, erklärte der Mann, sei er zu retten aus Amerika herübergekommen, und dann fuhr er gegen den Seelenfänger los. Ich antwortete ihm zunächst ganz ruhig, daß es sich hier allerdings um die Seele seines Kindes handle und daß ich die Seele seiner Tochter lieb hätte; sie selbst aber wisse es jetzt auch, daß cs nur einen Weg gebe, selig zu werden und seine Seele zu retten — daher wollte ich das Mädchen diesen Weg führen, und sie selbst wolle ihn auch gehn. Barsch und trotzig entgegnete der Mann, daß das sein möge, wie ihm wolle, Jeder müsse bei der Religion seiner Väter bleiben, und das solle daher auch seine Tochter. Als ich ihn aber darauf hinwies, daß gerade der Juden Vater Abraham damit angefangen hätte, die Götter der Väter zu verlassen, uud daß wir alle dem Gott Abrahams, welchen die heilige Schrift bezeugt, folgen müßten, legte der Mann einen völligen Unglauben an den Tag. An die Bibel binde er sich gar nicht, Moses habe den Leuten eingeredet, was ihm in's Handwerk gepaßt habe, und unsere Zeit sei längst über die Bibel hinaus. „In der Religion muß Jeder bleiben, in welcher er geboren ist", dabei verharrte er, obgleich er selbst zur selben Zeit durch immer neue Aeußerungen kundthat, daß er jenen Glauben, in dem er doch geboren war, völlig verloren hatte. Auf die Frage, ob wir Christen denn also hätte» götzendienerische Heiden bleiben sollen, antwortete er mit einem einfachen „Ja". Da aber das Gespräch auf diese Weise eine Wendung nahm, welche ihm vor der Tochter hätte gefährlich werden können, fuhr der Mann nun heraus: „Jeder wechselt seine Religion nur um des Geldes willen, und wenn man Ihnen, Herr Pastor-, genug Geld bieten würde, so würden Sie alles werden, was man verlangt: Jude, Heide und Türkei" Das war des Guten freilich genug, und ich entgegnete also dem Manne mit lautester Stimme: „Ein Schurke und nichtswürdiger Mensch sondergleichen ist der, welcher sein Heiligstes, seinen Glauben für Geld verkauft, und Sie behandeln mich in meiner eigenen Wohnung als einen solchen Hauptschnrken. Nicht noch einmal ertrage ich solche Gemeinheit von Ihnen und fordere Sic auf, eine andere Sprache anzunehmen." Da wurde der Mann verlegen.

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