Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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101 dort im Christenthum unterrichtet zu werden und die Taufe zu erbitten. Alle Schritte hierzu wurden eingcleitet. Eines Morgens brach die Jungfrau auf, der Bräutigam wollte sie nach Breslau schaffen; denn man war mit mir in Verbindung getreten, und ich hatte mich zur Unterweisung des Mädchens bereit erklärt. Die Flucht gelang unter merkwürdigen Umständen. Als der Wagen den Hof verließ, welcher das Mädchen aus seiner Heimath hinwegführen sollte, trat gerade die Stiefmutter, die ihre Locher suchte, von der andern Seite in den Hof ein, aber sie ging nicht durch das andere Thor hinaus — und so war jene gerettet. In Breslau wurde dem Mädchen ein passendes Unterkommen bereitet und mit dem Bräutigam besprochen, daß jene hier zunächst einen längeren Unterricht empfangen solle. Ob der Vater dann freilich die Erlaubniß zur Verehelichung der Beiden geben würde, war sehr zweifelhaft; und nur der Umstand, daß derselbe die Heimath verlassen hatte, um, wie wir damals nur wußten, einer Anklage zu entgehen, und daß er deshalb von Amerika her seine Vaterrechte um so weniger würde geltend machen können, ließ erhoffen, daß die Ehe auch vor dem Termin der Großjährigkeit würde geschlossen werden können. Der Unterricht fand nun statt und gab zu mancher Freude Anlaß. Man fühlte es dem Mädchen ab, daß sic dem ihr bezeugte» Worte mit innerer Empfänglichkeit zuhörte. Sie lernte leicht, was ihr zu lernen anfgegcben wurde, und zeigte ein sehr richtiges Verständniß für die christliche Lehre. Oft unterbrach sie selbst den Unterricht mit trefflichen Bemerkungen und auch den Predigten folgte sie mit vieler Theilnahme. Die Unterrichtsstunden bewiesen dies wiederholt. Zum Heilande besonders hatte sie eine sichtbare Zuneigung, und dies trat oft in kindlicher Weise zu Tage; freilich aber bedurfte sie auch sehr der Erziehung, und gewisse Unarten mußten immer wieder an ihr bekämpft werden. Ihre Jugend und Unerfahrenheit, die unselbstständige Stellung in der Heimath und der plötzliche Wechsel traten hinzu, um ihr und uns manche Schwierigkeiten zu bereiten; aber das Zeugniß des Gotteswortes gab zuletzt immer bei ihr den Ausschlag, und das berechtigte zu guter Hoffnung für sie. Eines Morgens ist sie bei mir im Unterricht. Da tritt 6*