Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 7-8 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Mühe, irgend welche religiöse Ueberzeugungen und religiösen Sinn in dem Mädchen zu pflanzen, so daß dieselbe denn auch den Eindruck erhielt, daß Judesein nur bedeute, das Christenthum mit aller Macht fernhalten und bekämpfen, während es sonst Jeden denken und glauben lasse, was er wolle. Die Schulzeit erreichte unter solchen Eindrücken für das Mädchen in dem Jahre ein Ende, mit dem unsere Elementarschüler die Schule zu verlassen Pflegen; von nun an sollte sie der Stiefmutter im Hause und Geschäfte behilflich sein. Das ist denn auch vier Jahre lang der Fall gewesen. Neben ihrem Hause aber lebte ein christlicher Handwerksmeister, der Jesum herzlich lieb hat und der ihn auch gern bezeugt. Derselbe begegnete dem nun zur Jungfrau herangereiften Mädchen öfters und hatte mit ihr nach und nach manche Unterredungen. Ihm gefiel die junge Jüdin, und besonders fühlte er sich dadurch zu ihr hingezogen, daß sie der religiösen Unterhaltung, die er mit ihr anknüpfte, nicht auswich, sondern daß sie auf dieselbe bereitwilligst einging. Von da ab trat ein neuer Abschnitt in dem Leben dieser Jungfrau ein. Die Erinnerungen der Schule erwachten jetzt in dem jüdischen Mädchen lebendiger, und der Handwerksmeister wurde geradeswegs für sie zu einem Lehrer im christlichen Glauben. Die Geistesgemeinschaft zwischen beiden wurde eine sehr rege und herzliche, sie führte aber allgemach auch dazu, daß beide eins wurden, wie im Glauben, so im Bunde für das Leben sich miteinander zu verbinden. Der Handwerksmeister trat nun mit dem Bekenntniß dessen, daß er die Tochter liebe, vor die Stiefmutter und bat um Jener Hand. Da wurde ihm aber die Antwort zu Theil, daß ein Christ die Tochter nicht erhalten solle, und nur, wenn er Jude würde, seinem Wunsche gewillsahrtet werden würde. Nun begannen die schweren Tage. Die Tochter sollte mit jenem Handwerksmann nicht verkehren, und alles Mögliche wurde aufgeboten, jedes Zusammentreffen der Beiden zu verhindern. Schließlich nahm man dem Mädchen die Oberkleider weg, um sie an jedem Ausgehen zu verhindern. Nichtsdestoweniger gelang es den beiden, hier und da ein Briefchen einander zu übermitteln und sich so gegenseitig zu stärken. Zuletzt war das Mädchen zu dem Entschlüsse gekommen, einen andern Ort aufzusuchen, um