Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 5-6 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Herausgeber jenes Schandbuchcs aber hofft, daß man nach demselben fortan die Geschichte des Evangeliums verbessern werde. Anderer, aber kaum minder böser Art ist es, wenn jüdische Gelehrte, wie der bekannte Rabbiner Abraham Geiger, Jesum als eine völlige Null behandeln. Geiger schreibt geradezu: „Jesus hat am Ende gar nichts gethan." Und selbst ein Dr. E. Hirsch, Mitherausgeber der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift „Der Zeitgeist", welcher gegen die nnfläthigen Beschimpfungen des Christcnthunis durch jüdische Blätter seine Stimme erhebt, wundert sich, daß D. die Aeußcrnng von Geiger übelnimmt, und versichert demselben: „Nach unserer Ueberzeugung ist Jesus an sich eine unbedeutende Erscheinung". Nach diesem Ueberblick über das Verhältniß der neueren jüdischen Presse zum Christenthum drängt sich D. die Frage auf, welche Stellung den Juden in unserm Volksleben cingcräumt werden solle. Er selbst müht sich auf allerlei Weise, die Möglichkeit, daß der Jude zugleich Jude und Deutscher sein könne, festzuhalten, aber rechtes Vertrauen findet er eigentlich selbst hierfür nicht; nur vcrhältnißmäßig, so erklärt er, ist die Judenfragc zu lösen, weil sich in der That zwei nationale Selbstgefühle im Juden kreuzen. Ist dies aber der Fall, und die Sache selbst steht freilich so, dann, werden wir hinzufügen müssen, wird doch wohl jenes Wort des Alten Testaments Recht haben, welches von den Juden sagt: „Das Volk wird besonders wohnen und nicht unter die Völker gerechnet werden", 4. Mose 23, 9. Und wie steht cs denn mit der inner« Annäherung zwischen Christen und Juden, nachdem die staatsbürgerliche Gleichheit hergestellt ist? D. schreibt: „Man wiederholt uns in immer neuen Wendungen mit abstoßendem Stolze, daß das Christenthum eine in's Heidenthum gerathene Fortbildung des Judenthums sei, und cs ist, als ob sich all der Haß und Hohn, welcher nicht ohne Schuld der Christen sich das Mittelaller hindurch insgeheim angesammelt hat, jetzt, aus seinen Banden frei geworden, austobte. Das Aeußerste an haarsträubender gotteslästerlicher Gemeinheit leistet in dieser Richtung die von dem Rabbiner Wise in Cincinnati herausgegebene jüdisch-amerikanische Familien-Zeitung „Debora". „Es ist ein Masel (Glück), daß der Toleh (Gekreuzigte) in die Welt gekommen ist. Die alte Sage, daß der Toleh von