Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 5-6 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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70 gehalten, die jüdischen Gesetze zu beobachten. Schon im frühen Knabenalter ließ sie ihn die Psalmen in äthiopischer Sprache auswendig lernen; damals war ihr Wunsch, daß Agasche als ein Erstgeborener sich dem Priesterstande weihen sollte. Doch noch ehe er sich für einen Lebensberuf entscheiden konnte, starb die fromme, alte Jüdin, was einen tiefen Eindruck auf des Knaben Herz machte. Sein Vater, seit dem Tode der Mutter in dem Tiefland Woggeras lebend, kümmerte sich nicht um ihn. Er wurde deshalb von seiner Mutter älterem Bruder in die Familie ausgenommen und sollte bei diesem das Zimmermannshandwerk erlernen. Gerade um diese Zeit (1860) siedelten sich die Missionare Bronkhorst und Flad auf einem Hügel östlich von Dschenda an und begannen ihre Missionsarbeit unter den Falaschas. Es wurde unter den Eingeborenen viel über und wider die Neuangekommenen geredet, was den Wunsch in Agasche weckte, die weißen Männer selbst kennen zu lernen. Schüchtern stahl er sich Sonntags von seinem Hause weg und begab sich auf die Missionsstation, wo er dem Amharischen Gottesdienst und der Katechisation der Schüler beiwohnte. Der Eindruck war so mächtig, daß er alsbald den Wunsch hatte, so erzählte er später selbst, sich in die Zahl der Misstonsschüler eingereiht zu sehen. Nach Beendigung des Gottesdienstes lernte er Samani kennen, und beide machten Freundschaft mit einander, die bis an das Ende ihres Lebens blieb, sie wurden Freunde wie David und Jonathan. Samani machte den Agasche später mit den Missionaren bekannt und erbat für seinen Freund eine Amharische Bibel. Freudestrahlend empfing er das kostbare Buch aus der Hand des Missionars, küßte es wiederholt, ja er warf sich nieder, und aus Dankbarkeit für das große Geschenk küßte er dem Missionar die Füße. Er versprach fleißig in der Bibel zu lesen und er that es. Jede freie Zeit benutzte er zum Lesen des Alten und Neuen Test, und jeden Sonntag kam er mit einer Anzahl Fragen zu dem Missionar. Sein Pflegevater beschwerte sich selbst einmal bei dem Missionar über das viele Lesen Agasche's in dem heil. Buche. Da er aber selbst ein die Wahrheit suchender Falascha war, ließ er auf Zureden Flad's den Neffen in seinem Bibelstudium ungestört. Später 1874 wurde der Oheim selbst mit seiner Familie durch Agasche zum HErrn geführt und getauft.