Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Student der Rechtsgelehrtheit und ein alter Schulmann waren besonders eifrig in der Unterhaltung mit uns. Der Studiosus legte uns seine Bedenken gegen die Bibel vor; er meinte, sie scheine in unlösbarem Widerspruch gegen die Naturwissenschaft zu stehn. Der Bericht der Bibel über das Vorhandensein des Lichts vor der Sonne und die vermeintlichen Angaben derselben über den kurzen Zeitraum, den die Welt zu ihrem Werden nöthig gehabt habe, nahmen den Studenten gegen die Schrift ein; aber er ließ sich belehren, daß die jetzige Naturwissenschaft auch ein von der Sonne unabhängiges Licht im Weltall kenne, und daß jenes sogenannte Sechstagewerk im ersten Buch Moses gar nicht einen Bericht über die Zeiträume geben will, welche das Werde» des Weltalls gebraucht hat, sondern daß der Schöpfungsbericht des ersten Kapitels im ersten Buch Mose nur das freilich in bestimmter Nacheinanderfolge geschehene Entstehen der Welt mit allen ihren Wesen auf Gott zurückführt, dessen Wille und Ordnungen denn auch in ihr fortbestehen sollen. Daran festzuhalten hätten wir aber um so mehr Ursache, als die Gelehrten über das Werden der Welt fortwährend uneinig seien und in diesem Punkte noch nichts Gewisses auszumachen vermocht hätten. Da der junge Mann hierauf nichts Sachliches zu entgegnen wußte und doch innerlich gegen die Bibel eingenommen war, erklärte er nun aber: „Ich begreife nicht, wie ein nicht unwissender und gebildeter Mann heute noch Mi die Bibel glauben kann!" Meine Antwort war ein Dank für das Kompliment, das er mir gemacht hätte: ein unwissender und ungebildeter Mensch zu sein. Aber nun fuhr der Studiosus förmlich zusammen und bat um Verzeihung, es sei wirklich seine ernste Absicht, nur von mir zu lernen, und ich hätte ihn durchaus falsch verstanden. Gern nahm ich diese Erklärung au und wies den jungen Mann jetzt darauf hin, wie kluge Leute bald der Bibel glauben, bald ihr nicht glauben. Was verursacht denn aber diese verschiedene Stellung zur heil. Schrift? Nun nichts anderes als die verschiedene Verfassung des menschlichen Herzens. Und wieder, warum befriedigt so viele die stets wechselnde Wissenschaft nicht? Warum befriedigt dagegen aber dieselben die Bibel? Darum, weil der Mensch in Wahrheit nicht von Zeitergebnissen lebt und leben kann. Der Prediger Salomonis sagt K. 3, 11: „Gott hat dem