Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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36 intti auf, denn cs war sehr spät geworden, ihre Achtung uns in der herzlichsten Weise bezeugend — wir aber beugten unsere Kniee vor dem HErrn, um ihm zu danken, nnd dann legten wir uns zur Ruhe. 16. Ein ehrlicher Gottesleugner. Am andern Morgen waren wir soeben ausgestanden und bei unserer Andacht, hatten aber noch nicht gefrühstückt, da klopfte es an's Zimmer, und ein junger Jude trat ein, um eine Unterredung bittend. Es war ein ernster Jüngling, dem die Sache am Herzen lag, die ihn zu uns getrieben hatte. Er bekannte, daß ihn die Naturwissenschaften, sein Studium, zur Gottesleugnung gebracht hätten, daß er aber bereit sei, sich von derselben loszusagen, wenn er überzeugt werden könne, daß ein Gott vorhanden sei. Er müsse jedoch darauf Hinweisen, daß die Bibel ihm nichts beweise und Berufung auf dieselbe also nichts fruchten könne. Natürlich versprach ich ihm, daß ich dies wohl bedenken würde, machte ihn aber darauf aufmerksam, daß er im Jrrthum sei, wenn er meine, die Naturwissenschaft müsse einen Menschen zur Gottesleugnung führen; denn viele der bedeutendsten und ihm namentlich angeführten Gelehrten dieser Art seien ja lebendige Bekenner Gottes gewesen. Der Jüngling gab in diesem Punkte denn auch nach. Aber nun nahm das Gespräch eine andere Wendung. Es wurde ihm gezeigt: Ohne einen lebendigen Gott, der unser Schöpfer ist und der eben deshalb auch das Recht hat, uns das Gesetz für unser Leben aufzustellen, hängt alle Moral in der Lust und hat kein Fundament. Weise, Gelehrte und Naturforscher aller Zeiten bis heute haben sich bemüht, ein sicheres Fundament für die Moral ohne Gott zu finden, aber es ist ihnen nicht gelungen. Sie haben denn auch die Moral entweder auf bloße Gründe der Nützlichkeit gestützt oder Gewalt geübt, indem sie von Andern einfach verlangten, das als Moral gelten zu lassen, was sie gerade dafür ansehn wollten. Der junge Mann versuchte durch alle möglichen Einwendungen davon loszukommen, daß die Moral ohne Gott kein Fundament haben solle; aber der Hinweis darauf, daß selbst die gebildetsten heidnischen Völker vielfach Ehebruch, Hurerei, Diebstahl, Raub, Mord, Lüge u. s. w. als verträglich mit der Moral angesehen haben, und die Thatsache, daß im täglichen Leben noch immer die