Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Hier fonntc »un freilich der Widerspruch nicht ausbleiben. ES mußte darauf hingewiesen werden, wie ja doch die Christen sagten, es gebe nur einen dreieinigen Gott, die Juden dagegen, nur eine göttliche Person existire, wie beide also schon im A auseinander gingen und eben daher im Uebrigen'noch weniger eins werden könnten. „Ja und Nein stehn hier einander gegenüber." „So muß uns die Humanität verbinden!" erklärte jetzt ein Anderer, und der Ersterwähnte fügte hinzu, daß nach seiner Auffassung Humanität und Christenthum dasselbe sei. Auch hier konnte aber die Zustimmung nicht erfolgen. Ich mußte darauf Hinweisen, daß Humanität ein Wort römischen Ursprungs und daß es das Stichwort der heidnischen Römer in den Zeiten ihrer höchsten Bildung war. Aber gerade damals, als sic mit jenem Worte ihr Denken und Streben priese», haben sie alles göttliche und menschliche Recht, alle Sittlichkeit und alles, was wir heilig nennen, förmlich mit Füßen zertreten, so daß uns heute ein förmlicher Schauer erfaßt, wenn wir daran denken, wie unter dem Schilde der Huinanität damals die Menschenwürde geschändet . worden ist. Freilich auch wir Christen reden von der Humanität, aber in einem höheren Sinne, nämlich so, wie wir es aus Altem und Neuem Testament gelernt haben. Dort nämlich wird uns gesagt: „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst", aber das allerdings in Verbindung mit dem ihm vorangehenden Gebote: „Du sollst Gott über alles lieben"; und auch nur, wo die Gottesliebe in dieser Weise verstanden und geübt wird, geschieht das Nämliche mit der Nächstenliebe. Aber, und ich wandte mich dabei geradeswegö an die vor uns sitzenden Juden, glauben Sie wohl, meine Herren, daß eine Liebe, welche den Nebenmenschen behandelt, als wäre er unser eigenes Ich, uns möglich ist? Alle verneinten es und bekannten, daß man vielmehr von dem Grundsätze: „Jeder ist sich selbst der Nächste" ausgehc und von demselben bestimmt werde. Auch ich, das fügte ich diesem Bekenntnisse hinzu, muß leider dasselbe von mir eiugestehn, und doch weiß ich, daß ich geschaffen bin, damit ich diese Liebe übe. Ja, es ist mein und es ist der Schmerz aller Aufrichtigen, daß wir das Gebot der Liebe wissen und doch dieselbe so wenig auszuübcn vermögen. An dem Wissen