Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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80 mehr, was noch antworten. Jetzt aber erhob jener junge Mann, der zuerst zu uns in das Gasthaus gekommen war, einen neuen Einwand, welcher die ganze Aufmerksamkeit aller mit ihm anwesenden Juden erweckte: „Wer bärgt uns dafür, daß überhaupt ein Jesus gelebt hat, und die ganze Geschichte von ihm nicht eine bloße Sage ist?" Der junge Mann berief sich zugleich darauf, daß ja selbst genug Christen die Erzählung von Jesu Leben und Dasein ein Märchen genannt hätten. Ich frug daher den jungen Mann: „Nicht wahr, jedes Ding hat eine Ursache, und je größer eine Erscheinung ist, desto gewisser ist es auch, daß ihr eine bedeutsame Ursache zu Grunde liegt?" „Das muß ich einräumen!" bekannte der Fragende. „Nun ist doch aber", fuhr ich fort, „ohne Zweifel die wunderbarste Thatsache der ganzen Menschengeschichte der Einfluß des Christenthums auf die gesammte Welt, und liegt cs am Tage, daß auf allen Gebieten unseres Menschenlebens seit achtzehn Jahrhunderten der Glaube an die Person Christi die tiefgreifendsten, wahrhaft schöpferischen, bleibenden und segensvollsten Wirkungen hervorgebracht hat. Eben dieses Gewaltigste aber, das die gesammte Menschheitsgeschichte kennt, sollte von dem im Grabe verwesten Leichname eines Mannes ausgegaugen sein, den'sich eine thörichte Einbildung fort und fort als auferstandenen und lebendigen denkt? Ist das vorstellbar? Können hierzu die gewöhnlichste Vernünftigkeit unseres Denkens und auch nur das einfachste sittliche Gefühl ihr Ja sagen?" Der junge Mann und alle Anwesenden schwiegen eine Weile. Dann jedoch nahm jener wieder das Wort: „Ich dächte, man könnte diese Sache doch auch noch anders erklären. Die äußeren Umstände und die Zcitverhältnisse begünstigten das erste Aufkommen des Christenthums, die weltlichen Gewalten aber führten es dann zum Siege." An der Hand der Geschichte wurde dem jungen Manne jedoch gezeigt, daß sich alles vielmehr vereinigt hat, um den Glauben an Christum nnd das Christenthum in der Welt nicht aufkommen zu lassen. Die große Masse der Inden schrie Christo das: „Kreuzige, kreuzige!" entgegen und verfolgte seine Apostel, die Griechen verhöhnten den Apostel Paulus, der ihnen seine Weisheit zu verkündigen kam, die Römer köpften die Apostel