Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 aber er weiß nickt, wo fortan sein Brot erwerben? Hierfür also wollte er von uns Rath und Hilfe erhalten. Wir konnten dem jungen Manne jedoch nicht eine Antwort geben, wie er sie erhofft hatte, aber Besseres konnten wir ihm dafür bieten. Er wurde nämlich jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß Religionswechsel ein gar ernstes Ding sei und nur dann mit Recht geschehe, wenn er aus Ueberzeugung erfolge, im andern Falle sei er Heuchelei und vor Gott wie vor Menschen gleich gräulich. Wohl gebe der Gedanke an eine Heirath Manchem den Anlaß, sich mit der Frage des Uebertritts zum Christenthum zu beschäftigen, und Gott selbst sei es, der durch diesen Gedanken einen Menschen dazu führe, über Religion tiefer nachzudenken; aber ein sittliches Recht zum liebertritt habe auch ein solcher nur dann, wenn er in Folge seiner inneren Erwägungen aus gewisser Ueberzeugung heraus die Taufe zu empfangen im Stande ist. Der junge Mann theilte uns hierauf mit, er sei in eine christliche Schule gegangen und daher längst gewohnt, das Christenthum mit andern Augen, als sonst die meisten Juden, anzusehu. Christen und Juden beteten ja überdem denselben Gott au, und eben deshalb werde ihm der Uebertritt nicht schwer fallen. Natürlich mußte er nun aber darauf hingewiesen werden, daß die christliche Kirche einen dreieinigen Gott lehre, von dem die Synagoge nichts wissen wolle; und diese Verschiedenheit erkannte der junge Mann jetzt denn auch an. Abschrecken aber, so sagte er, solle ihn das nicht, sondern er sei bereit, das zu lernen, was er noch nicht wisse und verstehe, glaube aber sicher, daß er sich dann aus gewisser Ueberzeugung zu dem Gotte bekennen werde, den die christliche Kirche lehrt. Er wolle daher denn auch recht bald um den Unterricht in der katholischen Kirche bitten. Meine Pflicht war es deshalb, ihm jetzt mitzutheilen, daß er in der katholischen Kirche allerdings die rechte christliche Lehre vom dreieiuigen Gotte erhalten, aber daneben vieles Andere über Heilige und Priester und Kirche vernehmen werde, das ihm leicht anstößig erscheinen würde. Darum solle er wissen, zur christlichen Lehre gehöre das nicht, sondern sei nur ein dieselbe entstellender Zusatz. Kern und Stern des Christenthums ist, daß Gott seinen einigen Sohn in die Welt gesandt hat, die Sünder selig zu machen, und daß nun der heilige Geist alle Menschen zu diesem Jesus Christus