Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 3-4 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 wie Neues Testament zu einem königlichen Volke nnd zu einem auserwähltcn Priesterthum. Dieser Klaube übt denn auch heute noch königliche Macht und verleiht seinen Trägern wahrhaft königliche Gewalt über die Geister der Menschen." „Wir aber glauben nichts, sondern bei uns ist es mit allem Glauben ans!" lautete darauf wieder das allgemeine Bekenntniß. Dem wurde nun das unsrige cntgegengestellt: „Wir glauben, wie Sie sehn, und wir wissen auch, daß unser Glaube einmal den Sieg in der ganzen Menschheit davoniragen wird. Ist doch der christliche Glaube schon heute die größte Macht unter allen Großmächten der Erde. Was giebt der römischen Kirche trotz der unsäglichen Jrrthümer, die in ihr herrschen, eine solche Kraft? Dies allein, daß sie doch an der Grundlage des christlichen Glaubens fcsthält. Selbst ein wenig von dem christlichen Glauben, daran man nur mit Ueberzcugung hängt, übt eben eine Macht aus, gegen welche sich alle Erdengcwalte» zu schwach erweisen. Wir erkennen hieraus, daß mit dem Christenglauben der Geist Gottes in den Kampf getreten ist, und daß in Wahrheit dem Geiste Gottes der schließliche Sieg gehört." „Wie denken Sie sich das, und was wird das Ende sein?" entgcgnete einer der Anwesenden. „Christus ist das Ende!" bezeugte ich ganz bestimmt, und Freund Flad, der verstanden hatte: „Christen z» sein ist das Ende", setzte hinzu: „Sie werden Evangelische". „Ja wohl, Sie kommen, zu uns," bestätigte ich; „der erstgeborne Bruder fehlt noch, aber er bleibt nicht immer von uns ferne; er kann die Einsamkeit schließlich nicht ertragen, sondern will mit uns dem königlichen Volke und dem Volk des höchsten Adels angehören." Der Widerspruch war verstummt, und mit Freuden nahmen alle »och die Schriften an, welche Flad ihnen vor dem Weggehn anbot. 8. Wer darf seine Religion wechseln? Ein zweiundzwanzigjähriger junger Jude hatte von uns gehört und erschien nun in unserm Zimmer, um sich Rath in einer Angelegenheit zu erbitten. Ein katholisches Mädchen hat sein Herz gewonnen, und sie ist bereit, ihn zu heirathcn; die Eltern des jungen Mannes aber, reiche Leute, wollen ihn enterben, wenn er diesen Schritt thnt. Sein Erbe ist er nun zwar zu opfern bereit,