Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 38 (1882)
- Issue
- 1-2 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 kann: „Ich weist, dast mein Erlöser lebt, und er wird als der Letzte über dem Grabe stehn!" Das war dem Geldpropheten zu viel, und er redete mich an: „Ich habe Ihnen, mein Herr, gestern und heute zugehört mtb must Ihnen bekennen, Sie sind ein gescheuter, aufgeklärter Kopf und haben viel Wissen; aber eben deshalb ist es unmöglich, dast Sie glauben können, was Sie sagend, sondern Sie lehren uns, wie das die Geistlichen aller Religionen thun, was Sie lehren müssen; natürlich jedoch glauben Sie es nicht, denn glauben heißt annehmen, was man nicht beweisen und wissen kann, uitb Sie wissen mehr als wir Alle." „Allerdings", entgegnete ich, „weiß ich mehr als Sie, aber ich weiß vor Allem, was Moses und die Propheten wußten, lind diese edelsten besten Männer, welche die Welt gekannt hat, diese Männer, von denen wir unser höchstes Wissen empfangen haben, waren Heuchler? Sie selbst, mein Herr, erkläre ich vor dieser ganzen Versanunlnng als einen aufrichtigen, ehrlichen und wahrhaftigen Mann. Mich aber, ich rufe alle Anwesenden zu Zeugen, hat dieser Herr als einen Lügner an den Pranger gestellt. Ich danke Ihnen, mein Herr, dafür." Da stammelte der so Angeredete Entschuldigungsworte und erklärte, ach nein, er glaube ja, daß ich nicht löge. „Nun denn," so bat ich jetzt denselben, „erkennen Sie doch, daß auch Sie tausendfach in meiner Lage sind. Niemand kann Ihnen sinnenfällige und handgreifliche Beweise dafür geben, daß Stehlen ein Unrecht ist, und trotzdem behaupten Sie dies allen Dieben gegenüber. Merken Sie eben daraus, daß es eine höhere Gewißheit giebt als die ist, welche aus den Sinnen entspringt, und nur verschieden ist diese innere Gewißheit bei den verschiedenen Menschen. Unsere felsenfeste christliche Gewißheit aber ist, daß Jesus Christus unser und aller Welt alleiniger Heiland und Seligmacher ist, und mit dieser Gewißheit stehen wir auf dem Boden des ganzen Alten und Neuen Testamentes." Nach einer Pause ergriff der Mann, der soeben selbst den Rückzug angetreten hatte, noch einmal, wenngleich viel weniger zuversichtlich, das Wort: es sei aber doch undenkbar, daß so gescheute Leute wie der Papst und seine Kardinüle an die Unfehlbarkeit glaubten.