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Dibre Emeth · 1882-01-01 · 1-2 (1882) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
38 (1882)
Issue
1-2 (1882)
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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22 können," antwortete der Alte, „aber ich muß dabei bleiben, daß ich thue, was ich kann." „Und so bezeuge ich Ihnen," lautete die Entgegnung: „daß Sie unter dem Gericht Gottes bleiben." Da trat ein anderer Jude heran. „Was wollen Sie?" schrie er mich an, „bei Israel kann von Fluch keine Rede sein; denn es ist Gottes Volk und betet weder einen zweiten Gott noch ein Bild an." „Das weiß ich wohl," erklärte ich ruhig, „daß Israel Gottes Volk ist; aber so lange cs sich nicht bekehrt, steht es doppelt unter dem Gerichte. Hosea, euer Prophet, vergleicht euer Volk in dieser Zeit einem ehebrecherischen Weibe, das der Eheherr, Gott, aus seinem Ehebunde verstoßen, aber es keinem andern Manne gegeben hat. Das ist jetzt Israels Lage und bleibt es so lange, als es sich nicht zu dem Davids-Sohne, seinem Heilande bekehrt." Da wollte der Alte einen Trumpf ausspielen und rief mit starker Stimme: „Wir Juden haben alle 10 Gebote gehalten und lassen uns nicht verklagen!" Das war den Andern doch zu stark, sie drangen alle auf ihn ein, und einer erklärte: „Nicht einmal ein halbes haben wir gehalten, geschweige denn alle!" Ich aber legte die Hand auf die Schulter des Selbstgerechten und sagte zu den Anwesenden: „Meine Herren, hier sehen Sie den Mann, der tausendmal besser ist als Moses, David und alle heiligen Männer der Bibel; hier sehen Sie den ersten und einzigen Gerechten auf Erden!" Alle Juden lachten, sie selbst hatten unsere Sache führen müssen, und noch auf der Straße schalt einer der Anwesenden jenen verkehrten Vertheidiger des Judcnthums. 18. Aus de« heutigen Biicheru lernt mau mehr als aus der Bibel. Ein junger Mann ivar durch das Vormittagsgespräch angeregt worden, sich uns zu nähern. Er setzte sich im Kaffechause neben uns und war des Lobes über die neuere Literatur voll, auf die unser Gespräch führte, und die er über Alles stellte, was jede frühere Zeit erzeugt habe. Ich hielt ihm aber entgegen, daß es doch Schriften gebe, die durchaus nicht großen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und menschliche Weisheit oder Kunst machten, trotzdem aber einen unvergleichlichen Einfluß auf die Welt bis heute geübt hätten: die Schriften der Propheten und Apostel der

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